Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1907)
- Article
- Gedanken und Wahrheiten zur Judenfrage [Rezension]
- Date
- 1907-10-01
- Page
- 597 (sequence 2)
- Language
- German
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Bücherschau. 597 Teil der Zentrumspartei immer darauf Wert gelegt, wehr die wirtschaftliche und soziale Seite der Judenfrage zu betonen. Derjenige, der zuerst in moderner Weise diese Gedankengänge verfolgte und dem auch Rost einen großen Teil seiner Ideen entnommen hat, ist der bekannte frühere bayerische LandtagsabgeordneLe Ratzinger, der eine zu Beginn der 90er Jahre viel gelesene Schrift „Jüdisches Erwerbsleben" unter dem Pseudonym eines Doktor Robert Waldhausen veröffentlicht hat. Nach Rost sind die Juden schuld an Wucher, Unsittlichkeit, Wohnungsmangel, Sozialdemokratie, Auswüchsen der Börse und allen sozialen Leiden, die es überhaupt gibt. Sie werden in bunter Reihe aufgezählt; man staunt, mit welchem Gleichmut der akademisch, insbesondere volkswirtschaftlich gebildet sein wollende Verfasser die verschiedensten Dinge nebeneinander stellt. Was auch jemals von Juden gedacht und getrieben worden ist, hat nach der Anschauung von Rost das Unglück der übrigen Völker herbeigesührt. Dabei ist es traurig zu beobachten, wie selbst durch jüdische Schriftsteller derartige Literaturerzeugnisse immer noch Nahrung erhalten. So beruft sich Rost verschiedene Male aus das Buch des bekannten Doktor Fromer „Das Wesen des Judentums", um zu dem Resultat zu kommen: die Juden sind ein sauer gewordenes Stück Menschentum. Der Christ ist die vollkommenste Negation des Judentums. Die Widerlegungen, die Fromer zu teil geworden sind, kennt der sonst so belesene Verfasser natürlich nicht. Die Forderungen, die nach Rost in Bezug aus Judenpolitik zu erheben sind, sind nur recht verschleiert ausgedrückt. Er ist, wie alle Kreise des Zentrums, gegen Ausnahmegesetze, legt aber die wirtschaftliche Boykottierung der Juden nahe. Einen Zweck erfüllt meiner Anschauung nach das Buch: da es nämlich ziemlich sämtliche, in der Gegenwart viel gebrauchten antisemitischen Schlagwörter in wissenschaftlicher Umkleidung enthält, eignet es sich dazu, in jüdischen Vereinigungen aller Art die Grundlage zu Diskussionen zu bilden. Man kann den Un- [; unterrichteten die verfehlten und vielfach verfälschten Gedankengange antisemitischer Schriftsteller selten so gut aufzeigen, wie durch die Besprechung der Einzelheiten der angezeigten Schrift. München. Ludwig Holländer.