Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1907)
- Article
- Zur Charakteristik des deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes!
- Date
- 1907-10-01
- Page
- 545 (sequence 2)
- Language
- German
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Z. Charakteristik d. Deutschnational. Handlungsgehilfen-Verbandes. 545 Nach alledem braucht man sich nicht darüber zu wundern, daß die Bruhn, Böckler, Raab, Lieberwann von Sonnenberg und andere Vertreter des Antisemitismus die geborenen Festredner des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes sind, der diesen Politikern bei den Wahlen willkommene Schlepperdienste leistet. Einen Teil seiner Erfolge verdankt der Deutschnationale Handlungsgehilfen-Verband neben seiner unermüdlichen Werbetätigkeit und dem leider in unserem Vaterlande noch immer zugkräftigen antisemitischen Programm feinen prahlerisch angepriesenen, angeblich für die Mitglieder besonders vorteilhaften sozialen Einrichtungen, insbesondere seiner Krankenkasse. Als aber im Jahre 1906 der bekannte Nationalökonom Map-Hamburg in einer eingehenden Untersuchung über kaufmännische Krankenkassen den Nachweis erbrachte, daß manche anderen kaufmännischen Organisationen auf diesem Gebiete viel Ersprießlicheres leisten, da fiel dem oben schon charakterisierten Verbandsorgan nichts anderes als der Borwurf ein, daß der Verfasser jener Arbeit Jude sei. Besonders stolz ist der Verband auf seine Auskunftei und Stellenvermittelung. Gerade diese aber rechtfertigt die Mahnung vor der Anstellung „deutschnationaler" Handlungsgehilfen, die wenigstens heute noch auf Stellungen in jüdischen Häusern mit angewiesen sind. Eine „Sperre der jüdischen Häuser" ist seitens des Verbandes erst in Aussicht genommen, wenn sie zeitgemäß ist. Solange dieses Ziel nicht erreichbar ist, sucht der Verband auch aus der Tätigkeit seiner Mitglieder in jüdischen Häusern Vorteile zu ziehen. In geheimen Auskünften werden Mitteilungen über allerhand geschäftliche und private Verhältnisse der Prinzipale, die Behandlung, Beköstigung und Bezahlung des Personals, private Beziehungen der Familie und anderes mehr extrahiert. Und damit der jüdische Prinzipal selbst nicht bemerkt, daß er einen antisemitischen Spion unter feinem Dache beherbergt, ist die fürsorgliche Einrichtung der geheimen Mitgliederliste getroffen, die es den Angestellten ermöglicht, eine vom Verbandsvorstande ausgestellte Abmeldung vorzuzeigen, ohne deshalb tatsächlich die Mitgliedschaft ausgeben zu müssen. Zwar nicht deutsch, auch nicht national, aber echt antisemitisch!