Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 9 (September 1907)
- Article
- Das Buch der jüdischen Witze [Rezension]
- Date
- 1907-09-01
- Page
- 533 (sequence 2)
- Language
- German
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wie die Schelme und all die närrischen Leute, die den Gegenstand des jüdischen Witzes bilden". — Was er bietet, ist aber keineswegs herzerquickender jüdischer Humor, sondern eine Sammlung Zum teil neuer. Zumeist aber uralter Anekdoten, die entweder von abgefallenen Juden Zur Verhöhnung ihrer früheren Glaubensgenossen erfunden oder von durch die Unfreiheit auf ein niedriges Kulturnioeau herabgedrückten Juden in bitterer Selbstironie ersonnen und weiter erzählt worden sind, um schweres Leid erträglicher zu machen. Wenn der Verfasser z. B. in dem Abschnitt „Von großen und kleinen Rabbis'" eine zum Glü^ nirgends existierende „Spitzbuben"-Gemeinde schildert, wenn er in dem Abschnitte „Von Kaufherren und Handelsleuten" einen während des Gebets einen Taschendiebstahl begehenden Mann als Witzling, wenn er unehrliche Tricks im Konfektions-Geschäft als belachenswert hinstellt, wenn er in der Abteilung von „Schluckern und Schelmen", den von der Pariser Weltausstellung heimgekehrten polnischen Juden seiner Frau erzählen läßt, wie er eine hohe Zeche bezahlt, aber darauf durch ein Wunder ein halb Dutzend silberne Löffel in feiner Tasche gefunden habe — dann kann er auf den Beifall derer nicht rechnen, die davon fest überzeugt sind, daß echt jüdischer Humor niemals mit moralischen Begriffen im Widerspruch steht. Wenn der Verfasser des „Buches der jüdischen Witze" ein Jude sein sollte, so müßte ihn die Tatsache, daß die „Deutsch-Sozialen- Vlätter" seine unappetitliche Anekdote „Die Speisekarte" schleunigst abgedruckt haben, darüber aufklären, wo er Lorbeer ernten kann. □ Einsames Land, Erzählungen und Stimmungsbilder. Von I)r. Wilhelm Münz, Rabbiner in Gleiwitz. Verlag von I. Kauffmann, Frankfurt a. M. 1907. Der Verfasser bietet eine Sammlung tiefempfundener Stimmungsbilder, die nicht nur öurch die Anmut edler Sprache, sondern auch durch die sich in ihnen bekundende echtreligiöse Gesinnung sehr geeignet sind, bei Lesern, die Schweres erfahren haben, den Schmerz in milde Wehmut aufzulösen. In diesen poetischen Schöpfungen ist keine Spur von krankhafter Sentimentalität zu finden, sondern nur überströmendes warmes Mitgefühl für alles, was das Menschenherz bewegt. Und