Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 9 (September 1907)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1907-09-01
- Page
- 522 (sequence 2)
- Language
- German
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Unter der Überschrift „Die Abenteuer des Musketiers Krakauer" veröffentlichte die „Deutsche Tageszeitung" am 12. Juli einen Bericht über eine tragikomische Fahnenflucht, die kürzlich das Kriegsgericht in Hohe ns alz a dazu veranlaßte, einen Musketier vom 11-0. Infanterie-Regiment wegen Desertion und Entwendung eines Sparkassenbuches zu 7 Monaten Gefängnis und Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes zu verurteilen. Da in der Notiz der „Deutschen Tageszeitung" der offenbar auf den Geschmack des agrarischantisemitischen Leserkreises des Organs des „Bundes der Landwirte" zurechtgedrechselte Satz, „aber der tapfere Hebräer hatte keine Lust wieder zur Kaserne zurückzukehren", enthalten war, haben wir durch unsere Ortsgruppe in Hohensalza festgestellt, daß der verurteilte Musketier nicht „Krakauer", sondern „Krakau" heißt und Christ ist. Eine von uns der „Deutschen Tageszeitung" gemachte entsprechende Mitteilung veranlaßte die Redaktion dieses Blattes am 25. Juli zu nachstehender Veröffentlichung: Eine Berichtigung. Vom „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" wird uns geschrieben: „Sie brachten in Ihrer Nummer vom 12. Juli 1907 eine Mitteilung: „Die Abenteuer des Musketiers Krakauer", in der Sie den Musketier einen „tapferen Hebräer" nannten. Nach einem Bescheide, den wir einholten, dient in dem 140. Infanterie-Regiment wohl ein Musketier Krakau, aber nicht ein Krakauer. Dieser Krakau ist nach amtlich erfolgter Berichtigung ein Christ. Zur Steuer der Wahrheit ersuchen wir Sie, Ihre Mitteilung nach dieser Richtung hin zu widerrufen." — Was hiermit geschieht. Der fahnenflüchtige Musketier war also kein tapferer Hebräer. Der Zentralverein mit dem langen Namen würde uns übrigens zu Dank verpflichten, wenn er uns Jahr und Datum der Taufe des Musketiers Krakau mitteilen wollte. Wir haben, um den Dank der Redaktion der „Deutschen Tageszeitung" zu ernten, die gewünschten Angaben uns von dem 4. Westpreußischen Infanterie-Regiment Nr. 140 verschafft und der Tageszeitung mit der Bitte zugängig gemacht, ihren Lesern davon Kenntnis zu geben, daß Willy Otto Krakau als der Sohn evangelischer Eltern am 19. August 1884 in Felgeleben