Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 9 (September 1907)
- Article
- Marburg
- Date
- 1907-09-01
- Page
- 519 (sequence 2)
- Language
- German
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teil/ „Daß Du die Nase ins Jesicht behältst/ würde Onkel Bräsig sagen. „Das Organ der Antisemiten, die im Wahlkampfe so eifern konnten gegen die Warenhäuser (die die Gewerbetreibenden in unserem Wahlkreise nicht berühren), bringt es fertig, den Versandgeschäften, die den Gewerbetreibenden des klensten Dorfes empfindliche Konkurrenz bereiten, unter besonderen Lockungen seine Spalten anzubieten/ A Dresden, 15. August. In der kürzlich hier abgehaltenev außerordentlichen Generalversammlung der „Vereinigten Spareinleger, Ges. m. b. H. in Liquidation", wurde den bisherigen antisemitischen Leitern der Gesellschaft gründlich der Text gelesen. Kaufmann Hohlfeld erklärte unter stürmischem Beifall: „Die Anteilscheine der Gesellschaft stehen auf 55 Prozent, und 30 Prozent werden nur von der Treuhandgesellschaft geboten. Wenn das Juden gewesen wären, so hieße es in Dresden: „Juden raus!" (Stürmischer Beifall.) „Wenn einem gewöhnlichen armen Menschen ein derartiges Mißtrauensvotum ausgestellt würde wie dem Direktor Glöß in der letzten Generalversammlung, so würde er sein Amt niederlegen. Bei einem solchen Verhalten können nur materielle Interessen im Spiele stehen! Einen Direktorposten mit 10 000 Mark bekommt man allerdings nicht gleich wieder! (Stürmischer Beifall.) Herr Vogel, früher Mitglied des Aufsichtsrats, hat kein Vertrauen zur Verwaltung. Ratssekretär Bahmann: Die Gesellschaft wird von der Verwaltung nur aus Eigennutz verwaltet. Innerhalb von fünf Jahren find nicht weniger als 250 000 Mark vom Barvermögen für die Verwaltung verwendet worden. Das steht in gar keinem Verhältnis zu dem Umfang des Geschäfts. Hier muß eine Revision Klarheit schaffen. Nach langer, heftiger Debatte wird zur Abstimmung geschritten; anwesend sind 481 Gesellschafter mit 15 985 Stimmen, wovon Glöß und einige Verwaltungsmitglieder allein 7692 Stimmen haben. Direktorium und Aufsichtsrat find die Majorität, dazu kommen noch die Stimmen der anwesenden Stadtverordneten und Stadträte, sämtlich der antisemitischen Partei angehörig und auf Seite der Verwaltung stehend. Die „Leipziger Volkszeitung", der obiger Bericht entnommen ist, wendet sich besonders scharf gegen den Direktor Glöß, den Herausgeber der antisemitischen Bilderbogen, und bemerkt schließlich: „Die Mittelstandsretterei, die der Antisemitismus auf seine Fahne geschrieben, besteht nur