Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1907)
- Article
- O. R., Berlin
- Date
- 1907-07-01
- Page
- 458 (sequence 2)
- Language
- German
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458 Im deutschen Reich. haben. Drängen werden sich jüdische Frauen nie zu Werken der Menschenliebe, aber stets bereit sein, geistige und leibliche Not zu lindern, wenn man sie zu solchen Aufgaben anregt, wozu es auch bei ihrer Hilfsbereitschaft keiner Zeitungsagitation bedarf. G. L., BreÄau. Die von Ihnen berührte Frage ist nur zu aktuell; sie drängt zur Lösung, die aber von jüdischer Seite jetzt kauin herbeigeführt werden kann und nicht herbeigeführt zu werden braucht, weil sie sich in einem modernen Staat früher oder später von selbst als Notwendigkeit erweisen wird. Daß diese Empfindung auch in nichtjüdischen Kreisen vorhanden ist, dafür liefern einige Bemerkungen in dem bei Carl Reisner in Dresden erschienenen vom Freiherrn von Schlicht verfaßten Zeitroman »Leutnant d. R." den deutlichsten Beweis. In diesem Roman ist zu lesen: »Harald meinte: »Es gibt doch unter den Juden ganz ausgezeichnete Soldaten; wenigstens diente ich als Einjähriger mit einem zusammen." — Der Oberst drehte sich blitzschnell um und sah Harald erstaunt an: »Bei Ihrem Regiment! Bei den vornehmen blauen Dragonern ein Jude Einjähriger? Donnerwetter, muß der reich gewesen sein, daß die Dragoner ihn genommen haben." — »Das war er auch, aber das allein hätte ihm nicht geholfen; sein Vater muß einmal einem sehr hochstehenden Herrn irgendwie geholfen haben. Er hatie sehr hohe Protektion und gab sich die größte Mühe, sich der ihm zuteil gewordenen Auszeichnung würdig zu erweisen. Wir andern Einjährigen haben es uns oft eingestanden; er war der beste Soldat von uns allen. Wenngleich er es selbst immer als eine Unmöglichkeit bezeichnete, wußten wir doch genau, daß er im Stillen darauf rechnete, Reserve-Offizier zu werden, nachdem er einmal bei dem Regiment angenommen worden war und seitens der Vorgesetzten auch gelobt wnrde. Ich werde nie sein totenbleiches Gesicht vergeben, als er, der von uns allen das beste Examen gemacht hatte, doch nicht die Qualifikation erhielt. Das er Reserve-Offizier wurde, war bei seiner Konfession ganz ausgeschloffen, aber dann Hütte man ihn auch nicht bis zum Vizk-Wachtmeister avancieren lassen sollen. Das war eine grausam: Harre: uns allen tat der arme Mensch wirklich leid, obgleich er ein Jude war." Der Oberst sagt dann im Verlauf des Gesvrächs: »Ich war gerecht und bin es noch und deshalb sage ich: Gewiß gibt es unter den Juden tüchtige Soldaten; ich habe 'eil t einen gekannt, der den andern mit wahrster Todes-