Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-07-01
- Page
- 423 (sequence 5)
- Language
- German
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Umschau m deren mindestens teilweise Erfüllung gerechnet werden durste, wenn die Regierung auf ein weiteres Entgegenkommen non liberaler Seite nicht verzichten wollte. Was jetzt auf dem Spiele steht, find die unmittelbar mit den Zurücksetzungen der deutschen Juden zusammenhängenden „großen Gesichtspunkte der Humanität" und die Gleichberechtigung aller Klaffe» des deutschen Brakes. Wenn wir für die Rechte der deutschen Juden kämpfen, dürfen wir diese großen Gefichtspunkte nie aus den Augen verlieren. Von der ,allgemeinen" Gleichberechtigung ist die drr jüdischen Bevölkerpngsminderheit nicht loszulösen, denn eine Freiheit macht uns alle steil Gelingt es der Reaktion, bezüglich der Judenstage mittelalterliche Grundsätze wieder zur Geltung zu bringen, dann wird sie zweifellos nicht zögern, untnttieL'Bar daran diese Grundsätze auch auf die allgemeine Bürgerfreiheit anzuwenden. Der Appetit kommt beim Esten und ist in den letzten Jahrzehnten durch manche Liebesgaben mächtig angeregt worden. Die Möglichkeit, weitere Rückschritte herbeizufükren, würde den antisemitischen „Tivoli-Konservativen" gegeben, wern sich ihnen das Zentrum unter Verzicht auf die bisherige Oppositionsstellung vollständig anschlöste und die Parteiführer die mit dieser Stellunz nicht einverstandene Mehrheit ihrer Anhänger durch den Hinw ns'auf rieitgehende Zugeständniste auf konfessionellem Gebiete beschwichtigen könnten. Ob dazu Fürst Bülow seine Hand reicher, würde, ist mindestens zweifelhaft; einzelne Zentrumsblätter bezweifeln i3 io sehr, daß sie den Reichskanzler schärfer als je besthden. ©o schreibt das Bonner „St. Josephsblatt" über den letzten' parlaraentarischen Abend bei dem Reichskanzler: „Kein Zentrumsmann war hingegangen, außer dem Schriftführer und dem ersten Vizepräsidenten des Abgeordnetenhauses. Ich hätte aber auch allen Respekt vor unseren Abgeordneten verloren, wenn sie dem Reichskanzler über die Schwelle gegangen wären. Sich von einem Manne, der ein:n in der gröbsten Weise beleidigt hat, noch einladenjt. lasten, das ist gegen die deutsche Mannesehre. Möge der Block soviel Kanzler-Wein trinken, wie er will; wir wollen uns den Schädel klar halten."—Die katholische „KölmVolkszeitr ng" erc chi^et die jetzige politische Lage als geeignet, auf die sich in einzelnen Landesterlen erheblich steigernde Bevölkerungsziffer der Katholiken hinzuweisen, die z. B. in Württemberg im letzten Lustrum von Ü9,97