Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1907)
- Article
- Theaterzensur
- Date
- 1907-06-01
- Page
- 383 (sequence 2)
- Language
- German
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Vermischtes. 883 Geschehnisse, wie eine neutrale Bevölkerung durch antisemitische Agitatoren suggestiv in den Wahn des Blutmärchens hineingetrieben wird. Dazu bemerkt die Breslauer Zeitung: „Das Polizeipräsidium mag gefürchtet haben, daß antisemitische Hetzerbanden, die allerdings in dem Drama nicht glimpflich wegkommen, die Aufführung zum Anlaß der Inszenierung wüster Radauszenen nehmen würden. Wir glauben zwar nicht, daß eine solche Eventualität ernstlich zu befürchten wäre; wenn dem ab.r fo wäre, ist es dann nicht weit eher die Pflicht der Polizei, Ordnung im Theater aufrecht zu erhalten, als Aufführungen zu verhindern, die einem gewissen süßen Pöbel gegen den Strich gehen? Haben Antisemiten'Rowdies in Deutschland das Privileg, gegen wahrhaftige Schilderungen ihrer Eigenart auf der Bühne geschützt zu werden? Diese Frage ist ohne Zweifel von kapitaler Bedeutung, und darum erscheint es durchaus geboten, den Breslauer Fall durch alle Instanzen zu endgültiger Entscheidung zu treiben." Der Verfasser des Dramas, Jakob Scherek, versendet an die Presse eine Erklärung, in der er sagt: „Diese Präventivzensur ist unwürdig, ist auch überflüssig. Wann hat je ein Drama in Deutschland Störungen der öffentlichen Ordnung herbeigeführt? Wann je ein Drama, von dem die Zensur Schlimmes erwartete? Selbst die gefürchteten „Weber" konnten überall, auch vor einem Arbeiterpublikum aufgeführt werden, ohne die geringsten Spuren von Unruhen zu hinterlassen, — Theaterpublikum und Bolksversammlungspublikum sind grundverschieden." In ähnlichem Sinne wie die „Breslauer Zeitung" hat sich auch die Königsberger Hartungsche Zeitung geäußert und dabei auf die Aeußerung des Staatssekretärs Grafen Posadowsky verwiesen, die sich gegen Bestimmungen richteten, die der „modernen Entwicklung nicht mehr entsprechen, gar keinen politischen Zweck haben und nur das Publikum verärgern." Erinnerungen an Richard Wagner. In feinen „Erinnerungen an Richard Wagner" berichtet Angelo Neumann: „In Berlin bestand 1881 eine sehr regsame antisemitische Agitation, die sich bemühte, Richard Wagner als ihren Hauptapostel zu proklamieren. Damals traf aus Bayreuth folgender Brief Wagners bei mir ein: Der „antisemitischen" Bewegung stehe ich vollständig fern: ein nächstens in den „Bayreuther Blättern" erscheinender Aufsatz von mir wird dies