Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1907)
- Article
- C. S., Görlitz
- Date
- 1907-06-01
- Page
- 380 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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880 Im deutschen Reich. daß sie „in der Presse eifrig bemüht sind, in ihrer Weise die deutsche Sprache weiter zu bilden/ Es kann dem Reichsgerichtsrat a. D. nicht verübelt werden, wenn ihm, wie sich aus den von ihm beliebten Ausdrücken „arischer" und „semitischer" Abstammung ergibt, die Forschungsergebnisse moderner Völkerkunde unbekannt geblieben sind. Was Juden in der Wissenschaft, sowie als Politiker, Schriftsteller, Dichter und Journalisten für die Entwicklung der deutschen Sprache geleistet haben, mag er in irgend einem Leitfaden Nachlesen. Herr Daubenspeck schöpft den größten Teil seiner Weisheit auf dem Gebiete deutscher Sprachkünde aus den Schriften von Sanders, den er ausdrücklich eine Autorität nennt. Sanders war auch ein „semitischer Mitbürger". Ob Herr Daubenspeck das wohl gewußt hat? Er Zitiert überhaupt viel. Erstaunt war ich unter seinen Zitaten auch Herders „Briefe zur Förderung der Humanität" zu finden; er scheint sie also gelesen zu haben. — Vielleicht liest er sie noch einmal." — Der Herr Reichsgerichtsrat a. D. ist damals in der Staatsbürger- Zeitung mit begreiflicher Wärme verteidigt worden. Sie nannte es eine „jüdische Taktik", daß sich liberale Blätter mit Entrüstung über den Lehrer der Rechtswissenschaft ausfprachen, der es verschmähte, sich „auf eine höhere Warte zu stellen, als auf die Zinne der Partei". Es ist aber wirklich wünschenswert, daß sich endlich ein unparteiischer Jurist fände, der ein ähnliches, keinen antisemitischen Nebenzwecken dienendes Buch schreiben und damit die jüdischen Referendare und alle vorurteilslosen christlichen Referendare der Notwendigkeit überheben würde, ein Buch anzuschaffen, in dem sie neben nützlichen Belehrungen auch Dinge finden, die sie mit Ekel erfüllen müssen. D. B., Kattowitz. Die auf die rumänischen Juden bezügliche Aeußerung in der „Lloyd-Zeitung" in Bremen halten Sie mit Unrecht für eine tendenziöse Kundgebung der Redaktion, der sicher jede judenfeindliche Absicht bei der Wiedergabe dieser dem „Daily-Expreß" entnommenen Sätze ferngelegen hat. Es handelt sich nur um einen Ausspruch Spencer Wilkensons, auf dessen Standpunkt die „Lloyd-Zeitung" sich zu stellen nicht gewillt sein konnte, weil ihr Verhalten bei Besprechung der Judenhetzen in Rußland ein durchaus freundliches gewesen ist. Eine bezügliche Erklärung der Redaktion schließt mit den Worten: „Wir betonen, daß uns eine unfreundliche Absicht durchaus ferngelegen hat." Damit ist die Sache für uns erledigt.