Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1907)
- Article
- S. K. Wandsbeck
- Date
- 1907-05-01
- Page
- 319 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 319 zutage, denn es heißt dann wörtlich: „Merkwürdigerweise werden auch gerade an unfern größten Festen, Weihnachten, Ostern und Pfingsten, die größten jüdischen Hochzeiten ausgerichtet, oft cnr ersten Feiertage, an dem jede andere geräuschvolle Festlichkeit üreng untersagt ist. Und warum müssen wir als christliche Beamte unsere höchsten Feiertage zu gemeinen Werktagen erniedrigen? Weil es den Juden gerade gelegen kommt, ihr Familienfest an diesen Tagen zu feiern, damit sie sich deshalb kein Geschäft entgehen zu lassen brauchen. Warum benützen sie dazu nicht ihre Feiertage?' Weil sie ihnen für derartige Feste zu heilig sind; den christlichen Staatsbeamten aber muten sie zu, ihre höchsten Feiertage privaten Interessen der Israeliten zu opfern und die Beamten sind schlimmer daran als Kommis und Verkäuferin, die doch wenigstens den Sonntag zu ihrer Erholung, zu ihrem Vergnügen ijaBeti." — Dem von dem antisemitischen Verfasser der betreffenden Klage gerügten Übelstande wäre leicht abzuhelfen, ohne den Juden Zuzumuten, ihre Familienfeste auf jüdische Feiertage Zu verlegen, wenn der Beschwerdeführerin eine größere Anzahl jüdischer Kollegen im Telephon- und Telegraphendienst Zugesellt würde. In neuerer Zeit soll dies bereits in geringem Maße geschehen sein. Würde die Zahl der jüdischen Beamtinnen entsprechend ihren Fähigkeiten vermehrt, dann bedürfte es nur der einfachen Anweisung, die jüdischen Telegraphen- und Telephonbeamtinnen an jüdischen Feiertagen vom Dienst zu dispensieren und dafür auf den Sonntagsdienst zu verweisen. Dieselben würden sicher mit Freudigkeit auf manche Sonntagsoergnügungen verzichten, am am Sonnabend den Gottesdienst zu besuchen und am Sonntag die Familienfeste ihrer Glaubensgenossen durch die wompteste Erledigung von Glückwunschtelegrammen verherrlichen zu helfen. Ob das im Sinne der wenig judenfreundlichen Mitarbeiterin der Zeitschrift „Der Fernsprecher" ist oder nicht, würde uns wenig kümmern, wenn die Postbehörden unfern Vorschlag in freundliche Erwägung ziehen wollten. Was die bestellenden Postbeamten betrifft, so glauben wir übrigens bemerkt zu haben, daß in ihren Kreisen keine Abneigung dagegen besteht, alle die angenehmen Botschaften in die Festgesellschaften hereinzutragen. Im Gegenteil, an manchen Orten sollen die Meldungen zu diesem Dienstzweige Gegenstand eines recht erfreulichen Wetteifers der Postboten gewesen sein. X. Frankfurt a. M. Wir erbitten, damit mir Ihnen