Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1907)
- Article
- Stuttgart
- Date
- 1907-05-01
- Page
- 316 (sequence 3)
- Language
- German
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306 Iw deutschen Reich. ethische Pflicht, und alle Juden sollten sich zu demselben im Central-Verein zusammenschließen. In politischer Beziehung hat der Verein nur eine Marschlinie: gegen den Antisemitismus. Diese negative Parole muß dadurch ausgeglichen werden, daß der einzelne mit besten Kräften im öffentlichen Leben mitwirkt und dort Zum Nutzen des Vaterlandes posüive Arbeit leistet. Eire solche Tätigkeit erfordert natürlich gerade von uns Juden besonders viel Takt. Ueberhaupt muß jeder einzelne unter uns stets eingedenk sein, daß sein Lebenswandel maßgebend ist fü» die Beurteilung aller Juden. Von Einzelheiten aus der Redw sei die Beleuchtung hervorgehoben, welche die feige, verhetzend; Tätigkeit des deutschnationalen Handlungsgeh lsen-Verbandes erfuhr. Als Abwehrmütel gegen denselben empfahl der Redner die Aufklärung über die wuhren Ziele des Verbandes und die Empfehlung ähnlicher Organisationen von nicht antisemitischer Färbung. Mit der Mahnung Büwbergers: Nicht sich verbittern lassen! schloß der Vortragende seine mit lebhaftem Beifall aufgenommene Rede. Der Vorsitzende der Versammlung, Dr. Feldmann brachte dem Redner den Dank der Anwesenden zum Ausdruck Als ein Beispiel dafür, daß der Central-Verein auch bei uns in Süddeutschland ein Feld der Betätigung finde, erwähnte er einen iw vorigen Jahre gemachten antisemitischen Versuch, die Schüler eines hiesigen Gymnasiums durch die Berüchtigten Weihnachtsflugblätter: ^Karrst nicht bei Juden!" zu verhetzen ein Versuch, der durch das Zutun des hiesigen Central-Vereins- Ausschusses verhindert wurde. An den Vortrag schloß sich eim Dislussion an, in der u. a. ein Redner sich mit. scharfen Worten gegen das bedauerliche Auftreten des jüdischen Abgeordnete? Dr. Mayer-Ulm im württembergischen Landtag wandte. Dr. M. hatte jüngst in seiner Erfllingsrede einen bischöflichen Hirtenbrief in einer Form kritisiert, die geeignet war, das Gefühl unserer katholischen Mitbürger empfindlich zu verletzen. Der lebhafte Beifall, mit dem dieser Tadel von der Versammlung ausgenommen wurde, zeigte deutlich, wie sehr die Worte Dr. M's auch in den jüdischen Kreisen verurteilt worden sind. A Tübingen, 10. April. Infolge eines Herzschlages starb am vergangenen Gründonnerstag in dem Orte Bernloch bei Münsingen Dr. Julius Würzburger. An der Beerdigung dieses allgemein beliebten jüdischen Arztes beteiligten sich nicht nur die