Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 4 (April 1907)
- Article
- Die Judenschuldentilgung unter König Wenzel [Rezension]
- Date
- 1907-04-01
- Page
- 262 (sequence 1)
- Language
- German
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262 Iw deutschen Reich. Mcherjcha«. Die Judenschuldentilgung unter König Wenzel. Von Dr. phi]„ Arthur Süßmann. Schriften der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Berlin. 1907. Louis Lamm. 8°. XV-f-203 S. Die vorliegende fleißige und tüchtige Schrift ist der wissenschaftlichen Aufhellung historischer Ereigniffe gewidmet, die in der traurigen Geschichte der deutschen Juden im 15. Jahrhundert eine beachtenswerte Rolle spielen, der Tilgungen der Judenschulden unter König Wenzel. Es handelt sich um eine fortgesetzte Reihe von Beraubungen, die zweimal, nämlich 1386 durch Einigung des Königs mit den Städten und 1390 durch eine solche mit den Fürsten, unter dem Schein gewisser Rechtsformen völlig organisiert wurden. Von jeher haben namhafte Historiker, insbesondere einer der verdienstvollsten Städteforscher, Karl Hegel, die Ansicht vertreten, daß es sich für den König und die sich mit ihm einigenden Stände um nichts anderes als um Geldgewinn durch Vergewaltigung einer wehrlosen Vevölkerungsklasse handelte. Dagegen machte 1896 der Ulmer Wirtschaftshistoriker Rübling den Versuch, die Gesetze über die Schuldentilgung als Ausfluß der Staatsweisheit eines sozial denkenden Herrschers darzustellen, der eine allgemeine Verschuldung seines Volkes zu hindern suchte. Süßmanns Nachweis, daßdavon keineRede sein kann, wird für jeden Sachverständigen überzeugend sein, der Aufhellung der Vergangenheit, nicht Material für demagogische Zwecke zu erhalten wünscht. Hier sei nur erwähnt, daß, als 1396 die Städte an Stelle der jüdischen Gläubiger traten, dies für die ländlichen Schuldner keine Verbesserung, sondern eine Verschlechterung ihrer Lage zur Folge hatte; denn den Städten wurde gleichzeitig die Befugnis gegeben, das Exekutivverfahren ohne weiteres eintreten zu lassen (S. 57). Ehe der schwäbische Städtebund auf die Vorschläge des Königs einging, charakterisierte er die Maßnahmen, die er selbst später befolgte, in einem Briefe an die Stadt Rördlingen, welche mit der Beraubung der Juden den Anfang gemacht hatte, durch die Worte: