Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 4 (April 1907)
- Article
- P. L., Hamburg
- Date
- 1907-04-01
- Page
- 258 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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258 Iw deutschen Reich. P. 2., Hamburg. Der im Reichstagswahlkreise Memel- Hey d ekrü g gewählte Geheiwrat Schwabach ist kein Jude. In den Wahlaufrufen wurde er ausdrücklich als evangelischer Konfession und Oberleutnant der Landwehr a. D. bezeichnet. Einer der denkbar plumpsten Tricks, den Abgeordneten Schwabach bei seinen Wählern Zu „verdächtigen", ist übrigens das von agrarisch-antisemitischer Seite beliebte Manöver, den Geheimen Regierungsrat Schwabach fälschlich Kommerzienrat Schwabach zu nennen. Offenbar hofft man dadurch, eine Verwechselung mit dem gegenwärtigen Leiter des Bankhauses Bleichröder herbeizuführen und alle börsenfeindlicheN Elemente gegen Geheimrat Schwabach mobil Zu wachen. F. S., Cöln. Der Artikel der „Rheinischen Volksstimme" vom 23. Februar d. Js., in dem die „sozialpolitischen Anträge der Zentrumsfraktion" besprochen werden, ist hoffentlich nichts weniger als ein Ausdruck der Volksstimwe der Rhein ländischen Katholiken. Unmittelbar an die Behauptung, daß „das Zentrum vor den Augen des streitbaren Prokuristen unserer Kolonialhandlung nicht Gnade gefunden hat", werden in diesem Artikel die im Grunde widersinnigen Sätze geknüpft: „Der Jude ist nachtragend und haßt den Katholik, dem er ein freundliches Gesicht nur dann zeigt, wenn er ihn braucht oder übers Ohr hauen will. Mit solchen Bilanzmanövern manipuliert man aber in der Politik nicht; das müßte der „große" Bernhard als Impresario des kleinen ernstlich gelernt haben." — Der „Rheinischen Volksstimme" kann es nicht unbekannt sein, daß die von uns, der größten Vereinigung deutscher Juden, ausgegebene Wahlparole nichts weniger als katholikenfeindlich gewesen, was von hervorragenden Katholiken gern anerkannt worden ist. Die Redaktion der „Rheinischen Volksstimwe" könnte auch wissen, daß der „kleine" Bernhard nicht nur väterlicherseits einen jüdischen Großvater, sondern mütterlicherseits einen durchaus arischen Großvater hatte, der ein protestantischer Pfarrer war. Er wird deshalb dagegen protestieren, wenn man ihm, der aus feiner Begeisterung für „christliche Kultur" kein Hehl gewacht hat, jüdische Eigenschaften beilegen wollte; wir protestieren aber dagegen, daß man für seine Handlungen irgendwie das Judentum verantworlich wacht, nicht deshalb, weil wir seine Fähigkeiten unterschätzen, sondern, weil wir uns nie einfallen lassen werden, seine Erfolge als jüdische Errungenschaften anzusehen. Das aber müssen wir