Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- K. C. Jahrbuch 1906 [Rezension]
- Date
- 1907-03-01
- Page
- 195 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316753-2316757-2337986--16222-2338076- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Bücherschau. 195 unumstößliche Wahrheit'"; sie wird inzwischen, belehrt durch die Erfahrungen der letzten politischen Mißerfolge, die Juden künftig noch enger zusawmenscharen zur Verteidigung ihrer Rechte, deren Beeinträchtigung gleichbedeutend ist mit einer Schädigung der Ehre und Wohlfahrt des gesamten deutschen Vaterlandes. Was uns aber den schließlichen Erfolg verbürgt, ist einesteils das Bewußtsein einer gerechten und vaterländischen guten Sache, andernteils, daß, wenn unsere Stimmen brechen, eine jüdische Jugend in Deutschland vorhanden ist, die in unsere Fußtapfen treten und mit dem Wahlspruche „Nemo me impune lacessit” stets bereit sein wird, für unsere Rechte einzutreten, die wie jedes andere Recht, nicht geschenkt wird, sondern erkämpft sein will. Das in schmuckem Gewände erschienene K. C. Jahrbuch 1906, herausgegeben von dem durch seine anerkannt vorzügliche Schrift „Juden und deutsche Burschenschaft" in weiten Kreisen bekannt gewordenen Schriftsteller Dr. Bruno Weil, bestärkt uns in dieser Ueberzeugung. lieber dem sprühenden Viadrinalied weist es das mit dem vorerwähnten Wahlspruch gezierte Wappen dieser ehemaligen Breslauer schlagenden Verbindung auf, die eine vielleicht allzuschneidige, aber echt jugendliche Abwehr Zu üben versuchte und deshalb schwere Prüfungen zu bestehen hatte. Denselben Weg, den die „Viadrina" mit dem Schläger in der Hand durch das Dornengehege des Vorurteils bahnen wollte, hat später der Central- Verein beschritten, ebenso entschlossen, aber planvoller und mit jener Besonnenheit, die dem reiferen Alter eigen ist. Durchblättern wir aber das uns vorliegende K. C. Jahrbuch, dann gewinnen wir durch den vor 20 Jahren von der freien Verbindung „Viadrina" erlassenen Aufruf, aus Alfred Goldschmidts Geschichte dieser Verbindung, aus Bruno Weils „Juden heraus!" aus Henry Lepmanns „Kampf um die konfessionelle Studentenverbindungen", sowie aus allen übrigen Beiträgen, die frohe Ueberzeugung, daß es der von uns vertretenen großen Sache nicht an Nachwuchs fehlt. „Israel ist nie verwaist", wenn nicht nur bei der akademischen Jugend, sondern bei der gesamten jüdischen Jugend die amSchlusse des Jahrbuchs stehenden Worte vr.Hochfchilds Nachhall finden: „Nicht mit der Faust, sondern mit den Waffen des Geistes muß der höchste Kampf gekämpft werden. Habt Ihr alle von Rießers Geist einen Hauch verspürt, dann wird es besser gehen, dann wird unser. Schicksal denselben Gang nehmen, wie den, den Rießers Leben nahm: ..Per aspera ad astral“ A. L.