Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 3 (März 1907)
- Article
- Auf dem Wege der Freiheit zur Gleichheit und Brüderlichkeit [Rezension]
- Date
- 1907-03-01
- Page
- 192 (sequence 2)
- Language
- German
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192 Iw deutschen Reich. Geringschätzung oder für uns Zu einem Mangel an Selbstgefühl bieten. Selbst dem besiegten Judäa hätten einst im Altertum die Römer Achtung gezollt; im Mittelalter hätten die Juden unter den Mohamedanern und christlichen Spaniern eine lange Blütezeit gehabt und sich mit als Träger der Wissenschaft erwiesen. Dort wie auch in Frankreich hätten sie sich in jener Zeit oft als tüchtige Krieger bewährt. Der durch die Kreuzzüge entflammte religiöse Fanatismus habe in jenen Ländern dann für die Juden eine schwere Leidenszeit heraufbeschworen. Daß sie selbst durch Wucher und Ausbeutung diese Leiden herbeigesührt hätten, könne nur von einseitigen Kulturhistorikern behauptet werden. Entrechtet und von den meisten Erwerbsgebieten ausgeschlossen, seien sie von den Mächtigen als Mittel zur Gelderpressung mißbraucht worden und hätten unverdient Haß und Verachtung geerntet. Der Verfasser schildert dann den Anbruch einer besseren Zeit, in der ihnen ein menschenwürdiges Dasein ermöglicht wurde. Mit jeder entfallenden Beschränkung sei immer mehr entschwunden, was man ihnen zum Vorwurf machen zu können geglaubt habe. Noch seien aber in Deutschland nicht alle Schranken gefallen, noch trotz der gesetzlich fest gestellten Gleichberechtigung die Juden auf einzelne Berufe eingeschränkt, die dann als „verludet" gelten. Mit dieser sie schwer schädigenden beruflichen Absperrung sei aber auch eine kränkende gesellschaftliche Absperrung verbunden. Wir aber sind im innersten überzeugt, daß nur Ungerechtigkeit und Rückständigkeit unfern Ausschluß bedingen. Deshalb meint der Verfasser, ist es unsere erste Pflicht, immer „zu sagen, was ist," gleichviel, ob es da und dort unbequem ist und nicht gern gehört wird. Mindestens aber sollten wir es unfern Kindern einprägen, daß sie einer Gemeinschaft angehören, die weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart einen anderen Anlaß hatte und habe, sich gedrückt zu fühlen, als den, einer dauernden Ungerechtigkeit ausgesetzt zu sein. Damit hat der Verfasser zum Ausdruck gebracht, was die wesentlickste Aufgabe unseres Central - Vereins ist; seine kleine Schrisi verdient deshalb die Beachtung unserer Vereinsmitglieder und aller Gleichdenkenden, mehr aber noch aller derjenigen, die im Vorurteile befangen sind und verharren. A. L. Jüdische Apologetik von vr. M. Güdemann, Oberrabbiner in Wien XX und 248 Seiten. Glogau 1906 (Schriften,