Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1907-03-01 · Heft 3 (März 1907) · p. 148

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 3 (März 1907)
Article
Deutsche Studenten jüdischen Glaubens
Date
1907-03-01
Page
148 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2316602-2316753-2316757-2337963--16131-2338029
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

148 Iw deutschen Reich. Das war nicht der Gedanke einzelner, sondern die Ueberzeugung vieler jüdischen Kommilitonen, der die „Viadrinen" aber zuerst in würdiger Weise Ausdruck zu verleihen wußten. Nicht vereinzelt, geschlossen wollten sie den Kampf führen gegen den Antisemitismus, für die Ehre und das Ansehen des Judentums. Und an der Hochschule mußte dieser Kampf entbrennen, denn dort waren längst und sind auch noch heute die Brutstätten des krassesten Antisemitismus. Dort suchte man es jedem klar zu machen: „Der Jude ist feige, ehr-und vaterlandslos; kurz, er ist minderwertig." Nur zu häufig fanden derartige Schmähungen Gehör bei christlichen Akademikern, die später als Führer und Erzieher des Volkes die möglichste Verbreitung einer Gesinnung sicherten, die unter ihnen mit soviel Eifer und Erfolg gepflegt wurde. Die Abwehrbestrebungen sollten deshalb von der Hochschule ihren Ausgang nehmen; der jüdische Student mußte selbst die Haltlosigkeit, ja Lächerlichkeit jener gehässigen Vorwürfe, die man ihm machte, allen erkenntlich dartun. War dies im Bunde mit christlichen Kommilitonen für charaktervolle jüdische Studenten unmöglich, mied man sie und stieß sie allenthalben zurück — wohlan! so hatten die Viadrinen Mittel und Wege gefunden, wie sie, auf sich selbst gestellt, für ihr gutes Recht eintreten konnten. Schwer, sehr schwer war allerdings der Kampf, und unverdrossener Mut tat not. Viermal in wenigen Jahren verfiel die Viadrina der Auflösung; doch stets von neuem und unverzagt widmete sie sich ihrem hohen Ziele, vor allem bemüht, Körper und Geist der großen Aufgabe gewachsen zu machen. Pflege aller Leibesübungen, Turnen, Schwimmen, Fechten, sollte dem Körper Ausdauer verleihen. Auch die scharfe Klinge sollte gute Dienste leisten. Man mag über den Zweikampf denken, wie man will, er war geeignet, zu zeigen, was manchem vielleicht nur zu deutlich gezeigt ward, daß der „feige" Jude Schläger und Säbel nicht schlechter zu führen versteht, als der mutigste christliche Kommilitone. Was aber wehr als alles andere den Mut und das Vertrauen dieser wackeren Kämpfer immer wieder neu belebte, war die Erkenntnis, die sie aus dem Studium der jüdischen Geschichte gewannen, daß das Judentum, für das sie eintreten dursten, auch des Schweißes der Edelsten wert sei. Wem es um Achtung und Ehre des Judentums ernst war.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.