Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1907)
- Article
- Die Geschichten des Rabbi Nachman [Rezension]
- Date
- 1907-02-01
- Page
- 136 (sequence 2)
- Language
- German
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m Jur deutschen Reich. sinnigen Aussprüchen und Erzählungen übertragen und damit die Bekanntschaft mit einem hochinteressanten jüdischen Vertreter der Mystik vermittelt, die in dem geheimnisvollen Drang besteht, die Menschenseele in unmittelbare Gemeinschaft mit der Weltseele zu bringen. Die jüdischen Spuren dieses beständigen sehnsuchtvollen Gottsuchens, das auch im Lause der Zeit bei vielen nichtjüdischen Schwärmern in die Erscheinung trat, führen bis auf längstvergangene Zeiten zurück; diese Richtung hat aber n ach den vorliegenden Proben in dem Rabbi Nachm an iw 18. Jahrhundert einen besonders sympathischen Vertreter gefunden. Er wurde im Jahre 1772 als der Urenkel des von farbenreichen Legenden umwobenen „Israel Baalschern" in Miedzyborz zu einer Zeit geboren, in der der von diesem begründete „Chassidismus" durch den Auswuchs der „Wunderrabbi-Verehrung" bereits im Niedergang begriffen war. Nachman verlegte feine Tätigkeit nach dem Orte Bratzlaw, dem er seinen Beinamen verdankte, und sammelte dort einen Schülerkreis um sich, in dem seine weisheitsvollen Gespräche und Erzählungen wohl Begeisterung erweckten, aber kaum das Verständnis fanden, das er wünschte und erstrebte, uw den „Chassidismus" durch Verzückung und Weltweisheit zu einer „Verklärung der Volksseele" zu machen. Nach einer Pilgerfahrt nach dem heiligen Lande, von deren Eindrücken er bis ans Lebensende zehrte, wurde er in der Heimat von den Anhängern der herrschenden, damals nur an Aeußerlichkeiten hängenden chassidistischen Sekte beständig angeseindet. Nachdem er alle Gehäffigkeiten Jahre hindurch mit philosophischer Gelassenheit ertragen hatte, unterlag er schließlich im Jahre 1810 doch diesen Leiden, die nicht seinen Geist getrübt, jedoch seinen Körper nach und nach aufgerieben hatten. Was er im Leben gelehrt, hat sich niemals zu festen Umrissen gestalten können: es blieb auch im Gedächtnis seiner Schüler nur als buntes traumhaftes Märchen, als verzückte Legende hasten, trotzdem ihr Kern eine Lebensweisheit enthält, wie sie nur dort entquillt, wo echte Poesie zum Prophetismus wird. Ob diese wie eine Rose von Jericho ausgefrischte Blüte der jüdischen Mystik dazu beitragen wird, manches Vorurteil gegen den dem klügelnden Rationalismus abgewandten „Chassidismus in seiner geläuterten Fassung" zu beseitigen, bleibt abzuwarten. Was Martin Buber von den Aussprüchen Nachmans einem für das Streben nach ^Verinnerlichung der Religion" empfänglichen westeuropäischen Publikum