Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1907)
- Article
- Eisenach
- Date
- 1907-02-01
- Page
- 127 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316753-2316756--16078-2337925- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Korrespondenzen. 127 femiten Schack eine Versammlung an. Der Regierungsbeamte bemühte sich eingehend um das Anbringen der Wahlplakate der Antisemiten. In Dankmarshausen ging im Aufträge des Bürgermeisters der Gemeindediener mit einer auf dem Amte angefertigten Sammelliste für den Wahlfonds der Antisemiten bei der Bürgerschaft herum.") --- Nürnberg, 14. Januar. Im Anschluß an den hier auf dem Verbandstage deutscher Tierschutzvereine mit geringer Stimmenmehrheit gefaxten Beschluß gegen das Schächten, wollte der Unterfränkische Tierschutzverein eine Eingabe an den SLadtmagistrat Würzburg richten, damit das Betäuben der Tiere vor dem Schächten angeordnet wird. Der „Fränkische Courier" berichtet über die betreffende Versammlung: „Dagegen erhob eine Anzahl israelitischer Mitglieder des Vereins von Würzburg und Schweinfurt in einer Eingabe an den Verein Einspruch. Rabbiner Dr. Stein-Schweinfurt vertrat diese Eingabe in der Versammlung. Das rituelle Schlachten sei für die Juden ein göttliches Gebot. Die Frage, ob das Schächten eine Tierquälerei fei, sei nicht entschieden, lieber 300 Autoritäten und Vertreter der Wissenschaft hätten sich für das Schächten ausgesprochen; eine 1901 von Heidelberg angeregte Sammlung von Gutachten gegen das Schächten sei wenig bekannt und liege auf der Universitätsbibliothek zu Heidelberg. In den vorbereitenden Handlungen zum Schächten könnte eine Tierquälerei erblickt werden; man habe aber, wie z. B.-im Schlachthaus in Schweinfurt, Vorbereitungen getroffen, welche auch diese stark herabminderten. Er verwies darauf, daß der Reichstag und mehrere Parlamente der Bundesstaaten über Schächtverbote zur Tagesordnung übergegangen, und daß die Wissenschaft sich über diese Frage noch nicht einig sei. Für die Israeliten sei es eine Frage der religiösen Ehre; wenn der Verein sich für die Betäubung der Tiere ausspreche, was dem Verbote des Schächtens gleichkomme, so sei es ihnen unmöglich gemacht, demselben als Mitglieder anzugehören. Der Verein solle eine abwartende Stellung einnehmend ± Stuttgart, 20. Januar. Eine widerwärtige Form der antisemitischen Straßenpropaganda, die seit Jahrzehnten bei uns unbekannt war, scheint neuerdings auch hier eingeschleppt werden zu sollen. Im vergangenen Dezember wurde das antisemitische Flugblatt „Ein Wort Zum Weihnachtsfest"