Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1907)
- Article
- Bocholt i. Westf.
- Date
- 1907-02-01
- Page
- 126 (sequence 1)
- Language
- German
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126 Iw deutschen Reich. X Bocholt i Wests., 15. Januar« Die Mitglieder der hiesigen Israelitischen Gemeinde hatten darin eine Zurücksetzung erblickt, daß Zwar einige Juden im Laufe der Zeit zu dem mit manchen Störungen verknüpften Ehrenamt des Geschworenen berufen wurden, das Amt eines Schöffen in hiesiger Stadt ihnen aber scheinbar ganz verschlossen blieb. Der Vorsitzende des Ausschusses zur Auswahl der Schöffen, bei dem der Vorsteher der Israelitischen Gemeinde, Herr Iwan Magnus, deshalb persönlich vorstellig wurde, erklärte, daß er aus dem Standpunkte der Parität aller Konfessionen stehe; die erwähnte Tatsache sei ihm schon selbst ausgefallen. So weit es in seiner Macht stehe, würde dem vorgetragenen Wunsche Rechnung getragen werden. Tatsächlich ist denn auch ein hiesiges Gemeindemitglied zum Schöffendienst pro 1907 berufen worden. X Eisenach, 15. Januar. Heber den Vertreter des Reichtagskandidaren Schack, Herrn Thomas, der in einer hiesigen Wahlversammlung die Tribüne in grüner Joppe und Schaftstiefeln betrat, um als „notleidender Landwirt" für Schack mit antisemitischen Redensarten Stimmung zu machen, schreibt die „Eisenacher Tagespost": „Thomas, der maskierte Landwirt, ist ein Hamburger Wanderredner des deutsch-nationalen Handlungsgehi^fenvsrbandes und bezahlter Agitator des Herrn Schack, der hier seinem Verbandvorsteher mit anderen, vorläufig noch in Reserve bleibenden Drahtziehern Stcuistendienste leistet. Ein größerer Humbug kann so leicht nicht geschaffen werden, und wir warnen die Wähler des gesamten Wahlkreises, aus diesen oder einen ähnlichen Schwindel hereinzufallen. Schack und die Antisemiten sind durch dieses Täuschungsmanöver in den Augen aller, denen die Politik keine Farce ist, die ehrlich am Wähle der Gesamtheit Mitarbeiten und redlich dem Vaterland und nicht nur kleinen Interessengruppen dienen wollen, gerichtet. Ein solcher Kandidat, der aus der Politik eine Komödie macht, Sonderinteressen der Großgrundbesitzer durch einen Pseudolandwirt, der sonst in Hamburg auf dem Kontorsessel sitzt, vertreten läßt, ist unwert, als nationaler Kandidat zu gelten." (Wie die „Bolkszeitung" mitteilt, sind aus dem Wahlkreise Eisenach-Dermbach dem liberalen Wahlbureau folgende amtlichen Wahlbeeinflussungen mitgeteilt worden: Am 7. Januar traf in Utreroda der Kommissar der Bezirksdirekrion Eisenach, König, mit dem antisemitischen Wanderredner Thomas ein. Die Herren meldeten für den Anti-