Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-02-01
- Page
- 103 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau. 103 getreu, „nt dringend nötigen Dingen einträchtig, in zweifelhaften frei, in allen Dingen aber voll liebevoller Gesinnung" vorzugehen, beschränkt sich der Verein darauf, sein Gewicht stets nur dann in die Wagschale zu werfen, wenn es jene Rechte zu wahren gilt, von denen Deutschlands großer Dichter sagte, daß man sie in großen Momenten herabholt von dort, wo sie hängen, ewig unveräußerlich. Nie ist der Verein in die politische Arena herabgestiegen, um sich an dem Parteigezänk zu beteiligen. Er kannte und kennt nur einen Feind, den kulturwidrigen Religions- und Rassenhaß und den, der dieses Uebel verbreitet; er kennt aber auch nur ein Vaterland, das deutsche, die Heimat einer geistig und sittlich hochstehenden Bevölkerung, an deren festem und gesundem Sinn alle tückischen Versuche der antisemitischen Wühler hoffentlich abprallen werden. Ueber die Stellung, die der Central-Verein bei den unerwartet anberaumten Reichstagswahlen einzunehmen hatte, konnte danach kein Zweifel obwalten. Er mußte jedem seiner Mitglieder die freie Wahl der politischen Partei, der sie sich anschließen wollten, überlassen, aber zur Pflicht machen, durch keine Parteiparole sich dazu verleiten zu lassen, etwa einem Manne seine Stimme zu geben, dessen Gesinnung nur ungenügende Bürgschaft dafür bieten könnte, daß er immer die Rechte einer Minderheit der deutschen Bevölkerung achten und vertreten werde. Ein Mitglied des Central-Vereins sollte niemandem zu einem Parlamentsmandat verhelfen, der den versaffungs- und kulturwidrigen Bestrebungen der Antisemiten Vorschub leisten würde. In diesem Sinne war unser „Ausruf zu den Wahlen^ abgefaßt, der bei allen, deren Blick durch keine Voreingenommenheit getrübt ist, sympathisches Verständnis gefunden und hoffentlich auch vielfach den weitverbreiteteten Irrtum widerlegt hat, daß das jüdische Religionsbekenntnis den deutschen Juden irgendwie dazu verpflichte, sich zu einer bestimmten politischen Partei zu halten. Sämtliche jüdischen Blätter ohne Ausnahme haben bei den Reichstagswahlen denselben Standpunkt wie wir vertreten, und damit in unwiderleglicher Weise bewiesen, wie grundlos die Vorwürfe waren, die in letzter Zeit besonders aus Kreisen des Zentrums gegen die sogenannte „Judenpresse" gerichtet wurden, ohne sich oder anderen klar zu machen, was und wer eigentlich unter dieser Vokabel gemeint sei.