Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1907)
- Article
- Jüdische Offiziere und Offiziersaspiranten im Kriege 1870 - 71
- Date
- 1907-02-01
- Page
- 87 (sequence 2)
- Language
- German
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Jüdische Offiziere und Offiziersaspiranten im Kriege 1870/71. 87 Schon in den Befreiungskriegen sind sehr viele Freiwillige jüdischen Glaubens ihrer hervorragenden Tüchtigkeit wegen zu Kommandostellen der Armee aufgerückt. In der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts hat es ein jüdischer Artillerieoffizier der preußischen Armee, Meno Burg, bis zum Major gebracht,*) doch war in seinem Todesjahre 1853 der preußische Offizierstand schon fast „judenrein." „Nur eine hohe Säule" — ein jüdischer Leutnant Hirsch in Posen**) — zeugte von „entschwundener Pracht." Dann war's zu Ende, bis in den sechziger Jahren vereinzelt jüdische Offiziere des Beurlaubtenstandes auftauchten. Der Krieg von 1870/71, der in allen deutschen Herzen im Norden und Süden, im Osten und Westen, die hingebendste Vaterlandsliebe weckte, ließ alle Unterschiede des Glaubens und der Abstammung vergessen. In einer Zeit allgemeiner Begeisterung, gemeinsamer Gefahr und gemeinsamen Ruhmes fragte man nicht „zu welchem Glauben bekennst du dich?" sondern „wie bewährst du dich?" Demgemäß lag auch für die jüdischen Krieger kein Hindernis vor, ihrem Verhalten vor dem Feinde entsprechend, zu Offizieren befördert zu werden. Die Behauptung, daß etwa hundert Offiziere jüdischen Glaubens den Krieg witgemacht haben, erscheint uns durchaus nicht als unglaubwürdig. Ihre Feststellung ist allerdings recht schwierig. Das Kriegswinisterium gestattet den Einblick in die Personalakten nicht, vermutlich weil viele Kriegsteilnehmer noch am Leben sind. Eine andere militärische Behörde macht die Listen nur insoweit zugänglich, „als mit Sicherheit anzunehmen ist, daß durch eine Veröffentlichung nicht Privatinteressen der betreffenden Persönlichkeiten oder ihrer Angehörigen verletzt werden würden." Auskünfte über die Konfession einzelner Offiziere dürfen von den betreffenden Regimentern „nur auf dienstliche Anfrage hin" erteilt werden. Man sieht: die Benutzung der direkten Quellen ist nicht ganz einfach. *) Siehe „Major Burg." Lebensbild eines jüdischen Offiziers. Von Dr. Eugen Wölbe. Berlin 1907. **) Siehe „Allgemeine Zeitung des Judentums," 1853 No. 38. S. 478.