Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- Die russische Revolution und die russischen Juden
- Date
- 1907-01-01
- Page
- 17 (sequence 14)
- Language
- German
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Die russische Revolution und die russischen Juden. 17 Die russischen Staasmänner, mit denen ich zu sprechen Gelegenheit hatte, standen alle etwa auf dem Standpunkt, daß sie zwar sagten: „Gewiß, die früheren russischen Regierungen haben in ganz unverantwortlicher Weise gehandelt, und es unterliegt gar keinem Zweifel, daß über kurz oder lang die Judenfrage gelöst werden muß; aber Sie müssen zugeben, wie außerordentlich schwer sie zu lösen ist aus dem Grunde, weil die Juden heute in der revolutionären Bewegung eine führende Rolle spielen.^ — Ich glaube, es ist eine Beleidigung gegen das russische Volk, wenn man als Russe die Ansicht ausspricht, daß dieses Volk nicht von seinen innersten Empfindungen getrieben, gepeinigt von der russischen Regierung, wie es ist, aufgepeitscht von ihr, sich selbst aus eigenstem Antrieb in Bewegung gesetzt hat. Und es ist wahrhaftig nicht notwendig, für diesen Zweck eine jüdische Führung in Anspruch zu nehmen. Freilich muß man zugleich zugeben, daß es unbegreiflich wäre, wenn nicht auch unsereGlaubensgenossen sich den russischen Massen angeschlossen hätten, die heute ein menschenwürdigeres Dasein erstreben. Man pflegt im allgemeinen anzunehmen, daß die überwiegende Anzahl unserer Glaubensgenossen in Rußland Händler sind. Das ist ein vollkommen falscher Standpunkt, und nach den besten Statistiken scheint es festzustehen, daß 33 % unserer Glaubensgenossen in Rußland Handwerker sind. Wer Rußland kennt, wer das russische Land bereist und die Städte durchwandert hat, in denen manchmal 70, 80, 90, 95 % Juden sind, der sieht und der muß sich sagen, es ist eine Unmöglichkeit, daß eine solche Stadt allein aus Händlern bestehen kann. Unsere Glaubensgenossen sind Steinmetze, sie machen die schwersten Arbeiten als Sackträger, sie sind Tapezierer, Schuhmacher, Schneider, Böttcher; kurz und gut, es gibt keine Hantierung in einer russischen Stadt, die nicht auch die Juden machten, sowohl schwere, wie leichte. Diese russischjüdische Bevölkerung von 6 Millionen, eine Masse, die Sie jetzt gegenwärtig vor Augen haben, nachdem ich Ihnen gesagt habe, daß ganze Königreiche an Köpfen hinter dieser Volkszahl Zurückbleiben, — sie ist durch den Grafen Jgnatiew in ganz neue, noch schlimmere Verhältnisse, als sie je gewesen sind, hineingeworfen worden. Im Jahre 1882 wurden die sogenannten provisorischen Bestimmungen für die Juden erlassen. Sie sind Ihnen im all-