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Im deutschen Reich · 1906-12-01 · Heft 12 (Dezember 1906) · p. 695

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 12 (Dezember 1906)
Article
General Ottolenghi
Date
1906-12-01
Page
695 (sequence 1)
Language
German
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695 General GLLolengHi. ^Mer Jude als Soldat — kein Thema wird so oft wie dieses in jüdischen Kreisen besprochen, namentlich in den Vereinigungen und Organen, die den Kamps für die Gleichberechtigung der deutschen Juden auf ihre Fahne geschrieben haben. Wenn die Juden an militärischer Tüchtigkeit ihren christlichen Kameraden nicht nachstehen — das Zeugnis u. a. des Staatskanzlers von Hardenberg bestätigt das ausdrücklich —, warum bleibt ihnen der Zutritt Zu den Kvmmandostellen der deutschen Armee verschlossen? Selbst wenn unser Heer Uebersluß an tüchtigen Kräften hätte, ließe sich der Verzicht aus Offiziere jüdischen Glaubens nicht rechtfertigen; aber ein solcher Ueberstuß ist nicht nur nicht nachweisbar, es ist vielmehr eine große Zahl von Osfiziersstellen unbesetzt. Im Interesse der Gleichberechtigung müssen wir daher immer wieder die Forderung erheben, daß das Wort unseres Reichskanzlers Fürsten Vülow ,„in Deutschland ist die Bahn frei für jedes Talent" auch in die Tat umgesetzt, und daß ein geeigneter Offiziers-Aspirant von der Beförderung nicht aus dem Grunde ausgeschlossen werde, weil er Jude und ehrenhaft genug ist, sein heiligstes Gut, seinen Glauben, nicht um irgend ein Amt oder eine Stellung hinzugeben. Sehen wir uns einmal die Heere anderer Länder an. In den uns verbündeten österreichischen und italienischen Heeren, ebenso in England und Nordarnerika haben sich die Juden in hohen Kommandostellen durchaus bewährt. In Frankreich, wo infolge der „Affäre" Zahlreiche Offiziere jüdischen Glaubens ihren Abschied nahmen, bekleiden gegenwärtig acht Juden den Generalsrang: Sse, Hinstin, Abraham, Levi- Alvaros, Brisac, Valabrögue, Frankfort, Naquet-Laroque; der Chef-Ingenieur und Direktor der Marine-Jngenieur-Akademie, General Auscher und die Generalärzte Aron, Vidal und Lemant stehen im Generalsränge. Wir sagen nicht Zu viel, wenn wir behaupten: wo ein Jude eine ausnahmsweise hohe Stellung bekleidet, da bemüht er sich auch, Außerordentliches Zu leisten; denn er ist sich bewußt.

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