Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 11 (November 1906)
- Article
- G. Kr., Berlin
- Date
- 1906-11-01
- Page
- 671 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
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671 Briefkasten der Redaktion. G. Kr., Berlin. Der Artikel „Erfüllte Wünsche" Zeugt nur von der grenzenlosen Angst Stöckers, daß die Gleichberechtigung der Bürger jüdischen Glaubens auch in Deutschland doch einmal zur Wahrheit werden könnte. Als „Schwarzseher" sieht er im Geiste schon, was selbst unsere kühnsten Hoffnungen uns nicht vorgaukeln, so daß man sich fragen muß, ob nicht dieser Bileam wider Willen uns Gutes prophezeit. Von ihm oder von seinem redaktionellen Sprachrohr ertönt es.':" „Was in anderen Staaten möglich ist, warum sollte das in Deutschland unmöglich sein? So folgert die jüdische Presse jetzt schon, und wie lange kann es noch dauern, bis solche Verhältnisse auch in Deutschland Platz greisen, bis unsere maßgebenden Kreise von der jüdischen Kamarilla sich überzeugen lassen, daß nicht nur auf der sella colonialis, sondern auch auf den anderen Ministersesseln Juden viel besser des Landes Geschicke lenken." — Schlechter würde es dann sicher nicht sein, als wenn Herr Stöcker auf der sella colonialis säße, statt am „Johannistisch". N. B, Berlin. Wir geben Ihre Zuschrift wörtlich wieder, weil wir leider genau dieselben Erfahrungen wie Sie gemacht haben: „In Berlin gibt es ein von Bruhn herausgegebenes, wöchentlich erscheinendes antisemitisches Blatt „Die Wahrheit". Dies Blatt kann sich, wie ich erfahren habe, dadurch halten, daß es von Juden, und zwar fast ausschließlich nur von diesen gekauft wird, aus NeugierdeI oder aus Lust am Skandal. Ich war sehr unangenehm berührt, als ich einmal davon Zeuge war, wie zwei Brüder — Juden — gleichzeitig je eine Nummer der eben erschienenen Wochenschrift aus der Tasche zogen. Sie fanden auf meine Vorwürfe darin kein Unrecht und meinten, ihre Bekannten kauften das Blatt ebenfalls. Wenn solche Juden glauben: „Ach, mein Nickelstück hält das Blatt nicht über Wasser!" so ist das grundfalsch. Daß viele Wenig ein Viel machen, sollte man niemandem erst auseinanderzusetzen brauchen."