Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 11 (November 1906)
- Article
- Prag
- Date
- 1906-11-01
- Page
- 670 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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670 Im deutschen 8t<ich. Es geschieht dies, wenn der Abgelehnte naiver Weise nach der Ursache fragt, mit dem verschämten Hinweise auf den Mangel einer unerläßlichen Gesuchsbeilage, nämlich des Taufscheins. Den jüdischen Medizinern geht es aber nicht bester als den Juristen, nur daß hier die Ablehnung nicht gerade verschämt begründet wird. Die „Wiener Klinische Wochenschrift" Nr. 36 und der „Öasopis ceskych lekam“ teilen mit, daß jüdische Studierende der Medizin, welche um Aufnahme in die militärärztliche Akademie ansuchen, ihre Gesuche zurückerhielten mit der Begründung, daß „Bewerber jüdischen Bekenntnisses in die Akademie nicht ausgenommen werden." Diese Abweisung, die dem SLaatsgrundgesetz widerspricht, ist umso auffälliger, als es in Oesterreich jüdische Stabsoffiziere, sogar mit Generalsrang gibt. Es liegt hier angeblich ein Zurückgreifen auf eine alte Bestimmung vor, die veraltet, aber durch die Zeitströmung wieder erneuert worden ist". ± Budapest, 16. Oktober. Aus Magyar-Kanizsa meldet der „Budapests Naplo.": „Vor kurzem verschwand plötzlich das 17 Jahr alte Dienstmädchen Marie Juhasz, das sich bei dem Kantor Aron Weiß in Stellung befunden hatte. Gewissenlose Hetzer verbreiteten unter der Bevölkerung das Märchen, das Mädchen sei einem RiLualmord zum Opfer gefallen. Bald darauf wurde die Leiche des Mädchens nächst Zenta aus der Theiß gezogen. Als sich die Nachricht verbreitete, daß am Halse der Leiche Würgespuren bemerkt worden seien, zogen Bauern mit Sensen, Heugabeln und Dreschflegeln vor das Haus des Kantors Weiß und zertrümmerten dort sämtliche Fensterscheiben. Mehrere Juden wurden von der erregten Menge bedroht. Nur dem Eingreifen der Gendarmerie ist es zu danken, daß den fanatisierten Bauern kein Menschenleben zum Opfer fiel. Die Ausforschung der Rädelsführer wurde eingeleitet". — Aus Kaschau wird ein ähnlicher Vorfall gemeldet. Zwei Arbeiterinnen zeigten dort an, daß die Juden einen Christenknaben in den Tempel geschleppt hätten, um ihn dort „abzuschlachten". Die Polizei durchsuchte noch während des Gottesdienstes den Tempel, natürlich ohne etwas zu finden. Den Knaben ermittelte man später unter spielenden Kindern. Die Aufregung der Juden über die Störung ihrer Andacht war groß.