Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 11 (November 1906)
- Article
- Die Vorgänge in Rußland
- Date
- 1906-11-01
- Page
- 639 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Vorgänge in Hiußkand. hat in Rußland wiederholt die Erfahrung gemacht/ 'tp#' daß die Gouverneure und militärischen Befehlshaber in der Provinz Handlungen begehen, die weder von der Regierung angeordnet sind, noch von ihr gebilligt werden. Diese Tatsache wird von dem Petersburger Berichterstatter der „Frankfurter Ztg." auf die „Nebenregierung" zurückgeführt, deren Mitglieder zwar nicht genau bekannt sind, deren Vorhandensein aber der frühere Ministergehilfe Fürst Urussow offen in der Duma erwähnt hat. Die „Frankfurter Ztg." berichtet: „Diese „Nebenregierung" scheint augenblicklich stärker als je zu sein, und man darf sich daher nicht wundern, wenn die Reaktionäre, insbesondere in der Provinz, wieder sehr zuversichtlich vorgehen. Zu diesen gehört auch der Generalgouverneur von Odessa, General Kau lbars, der einer Abordnung der Gemeindebehörden, welche die Aufmerksamkeit des Generals auf die zahlreichen Gewalttätigkeiten gegen friedliche christliche und jüdische Bürger hinlenkte, ungeniert erklärte, er persönlich sei im Zweifel darüber, daß es möglich oder selbst wünschenswert sei, der Verzweiflung der loyalen Elemente abzuhelfen, angesichts der revolutionären Akte der studierenden Jugend, die hauptsächlich jüdischer Abstammung sei. Wenn ein einziges Mitglied des „Verbandes des russischen Volkes" ermordet würde, so würde Odessa sofort im Blut ertränkt werden. Wenn der Ministerpräsident SLolypin einen Beamten, der sich in dieser Weise öffentlich gegen schutzsuchende Bürger ausspricht, auf seinem Platze beläßt, so beweist er damit, daß auch er ebenso wie General Kaulbars die Mitglieder des „Verbandes des russischen Volkes", der für die Gewalttätigkeiten gegen die Liberalen wie gegen die Juden verantwortlich ist, „für die besten Söhne des Zaren und für die Regierung sehr wertvoll" hält. Von einer Untersuchung gegen die Urheber der Metzelei in Siedlce hat man bisher nichts gehört, und eine Zurechtweisung des Generals Kaulbars von Petersburg aus ist erst recht nicht zu erwarten. Unter solchen Umständen braucht die Regierung sich wirklich nicht darüber zu wundern, daß selbst so loyale Leute wie die Oktobristen er-