Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1906)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1906-10-01
- Page
- 616 (sequence 2)
- Language
- German
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m IM deutschen Reich. entgegenarbeiten will. Die von dieser Manie Betroffenen sind schwer durch ein vielverbreitetes Bild geärgert worden, aus dem König Eduard von England in Marienbad neben einem Kaftanträger sein Glas Brunnen trinkt. Was sie darüber einigermaßen tröstete, war die Mitteilung antisemitischer Blätter, die deutsche Kaiserin habe seinerzeit bei dem Kaufmann Johann Heer Einkäufe gemacht. Bekanntlich ist Heer der Antisemit, der durch ein weithin leuchtendes Plakat Israeliten, die sein Geschäft betreten, mit Anklage wegen Hausfriedensbruchs bedroht. Wir wissen nicht, ob Herr Heer bereits um den Hoflieferantentitel nachgesucht hat, glauben aber, daß die hohe Frau ebenso ahnungslos sein Geschäft betreten hat, wie König Eduard sich in Marienbad neben den Kaftanträger stellte. Blutrnärcherr. Das Organ des antisemitischen „Deutschen Bolksbundes", die „Deutsche Hochwacht" in Stettin, sowie einige Berliner Antisemiten-Blätter haben dieser Tage berichtet: „Zu rituellen Zwecken hat in Chocen (Böhmen) ein Jude einem Dienstmädchen Schnittwunden beigebracht und Blut entzogen. Er überfiel das Mädchen im Schlafe und betäubte es mit Chloroform. Das Mädchen war bei einer jüdischen Herrschaft iw Dienste, und diese Herrschaft bezeichnet das Mädchen jetzt als geistesschwach. Wie immer in solchen Fällen." Bon zuverlässiger Seite ist uns nachstehende Darlegung des Sachverhalts zugegangen: „Im Hause der Theresia Houdek in Chotzen, (Bezirk Hohenmauth in Böhmen) wohnt der Kaufmann Leopold Gottlieb zur Miethe. Seit anfangs August weilten bei ihm sein 67 Jahr alter Schwiegervater, der Kaufmann Jakob Lederer aus Libochowitz, und dessen Gattin zu Besuch. Am 16. August um ^2 6 Uhr morgens kam die bei Theresia Houdek bedienstete 22 jährige Marie Kosina, Tochter eines in der Eisenbahnstation Chotzen beschäftigten Tagelöhners, aus ihrer Schlafkawmer herab und erzählte, es sei ihr von Jakob Lederer Blut abgezapft worden; sie fühle sich sehr schwach und wolle in die Kirche, um sich mit den Sterbesakramenten versehen zu lassen. Frau Houdek ließ den städtischen Arzt vr. Fikeis holen, der das Mädchen in Anwesenheit der Dienstgeberin untersuchte und das Vorhandensein von „Punkten" (ezechisch „Tekti") an den Extremitäten, aber