Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1906)
- Article
- G. R., Berlin
- Date
- 1906-10-01
- Page
- 612 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2316602-2316740-2316750--15627-2337353- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
012 Iw deutschen Reich. Ich meine, wenn man von denen spricht, die sich Verdienste um die Aufhellung der Hilsner-Affare erworben haben, so soll man an erster Stelle Nußbaums gedenken, der mit ungewöhnlichem Fleiß und Scharfsinn das ganze ungeheure Material verarbeitet und klargestellt hat, so daß keinem irgendwie Einsichtigen die Haltlosigkeit des Urteils gegen Hilsner wehr zweifelhaft sein kann. Uebrigens wird sein Verdienst in dem Nordauschen Artikel auch gewürdigt, während ihn das Vereinsorgan in dem betreffenden Referat ganz mit Stillschweigen übergeht." Diesen Ausführungen gegenüber verweisen wir auf Bl. 100 ff. des Februar-Heftes des laufenden Jahrganges, wo das Buch Nußbaums in eingehender Weise besprochen und gewürdigt worden ist. Die Redaktion. C. St., Berlin. Die am 1. September von der „Staatsbürger-Ztg." gebrachte Notiz Nette Kurgäste" enthält nachstehenden Bericht aus Gräfenberg: „An einem schönen Sonntag wurde ein Wohltätigkeitsfest für die ..Opfer von Vialpstok" abgehalten. Die jüdischen Wohltäter unterhielten sich ausgezeichnet, und nach Schluß des Festes fehlte eine silberne Tasse. Am nächsten Tag konnte man auf der Promenade mehrere Plakate angeschlagen sehen: „Bei der gestrigen Wohltätigkeitsveranstaltung für die Juden von Bialystok ist eine schwere, silbergetriebene Serviertasse aus unerklärliche Weise verschwunden. Dem Zustandebringer wird Belohnung zugesichert. Das Vergnügungskomitee". — Auf unsere Erkundigungen ist uns von zuverlässiger Seite folgende Auskunft erteilt worden: „Am Schluß des Festes, das für die Opfer von Bialpstok ein Erträgnis von etwa 1000 Kronen ergab, war die dem Wasserheilanstaltsbesitzer Vincenz Prießnitz gehörige silberne Tasse unauffindbar. Die am nächsten Tage angeschlagenen Plakate waren aber nicht „Das Vergnügungskomitee" unterzeichnet, vielmehr hatte das Komitee, das nicht nur aus „jüdischen Wohltätern" bestand, sondern aus Angehörigen aller drei Konfessionen, von diesen Anschlägen, als deren Urheber sich Herr Prießnitz sehr aufgeregt bekannte, vorher keine Kenntnis. Bald darauf fand sich die Tasse in einem wohlverschlossenen Schranke wieder, wo sie unter Dekorationsstücken lag, die bei dem Feste im Gebrauch waren. Davon belichtet die ^Staatsbürger-Zeitung" natürlich nichts; sie im Interesse der Wahrheit zu einer Berichtigung aufzufordern, wäre zwecklos, denn diese