Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1906-10-01 · Heft 10 (Oktober 1906) · p. 611

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 10 (Oktober 1906)
Article
A. K., Berlin
Date
1906-10-01
Page
611 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316740-2316750--15624-2337352
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Briefkasten der Redaktion. 611 fangen: ^Wie oft muß der Gerichtsvollzieher der Bediente eines hartherzigen Juden sein. Daß der antisemitische Geist unter den Gerichtsvollziehern weit verbreitet ist, ist die Reaktion des Herzens gegen die Ausnutzung des formellen Rechts durch die Judenschaft. Wer kennt wie sie die Hartherzigkeit des jüdischen Geschäftsmannes!" — Die Gerichtsvollzieher wissen es besser; sie wissen, daß der jüdische Gläubiger weit weniger hartherzig ist als jeder andere, und der streue Gottesmann", der sich so gern den „zweiten Luther" nennen läßt, weiß es erst recht, daß, als in Deutschland das Geldgeschäft in den Händen der „Fugger" lag, die nur gegen kaiserliche Schulden splendid waren, Martin Luther den Juden alles andere nur keinen hartherzigen Wucher vorgeworfen, sondern für solches Gebühren nur gegen Nichtjuden scharfe Wort „fuggern" münzte. Im übrigen hat die „Freisinnige Zeitung" ganz recht, wenn sie, über diesen Fischfang sich äußernd, sagte: „Wir überlassen es den Gerichtsvollziehern selbst, sich gegen die Beleidigung zu verwahren, als ob sie zum größten Teil antisemitisch gesinnt seien." G. R., Berlin. Wir entsprechen Ihrem Wunsche, unsere jüngste Erwähnung der „Hilsner-Affäre" durch Nachstehendes zu ergänzen: „In der letzten Nummer des Vereinsorganes (S. 535, 536) befindet sich ein Referat über einen Artikel, welchen Max Nordau in der „Neuen Freien Presse" zur Hilsner-Affäre veröffentlicht. Darin werden die Verdienste eines böhmischen Arztes Dr. Balowa um die Aufklärung der Wahrheit in jener traurigen Angelegenheit auf das höchste gepriesen. Sein Wirken wird sogar mit dem Zolas in der Dreyfus-Affäre auf eine Stufe gestellt. Es soll nun keineswegs verkannt werden, daß Bulowa mit dem größten Opfermut und der größten Unerschrockenheit für die Sache der Wahrheit eingetreten ist. Aber er war doch keinesfalls eine Persönlichkeit, die man auch nur annähernd mit Zola vergleichen kann. Dem Angeklagten selbst hat er durch sein nicht gerade immer geschicktes Vorgehen eher geschadet als genützt. Es ist interessant zu lesen, was der Berliner Rechtsanwalt I)r. A. Nußbaum in seiner umfassenden Darstellung des Polnaer Prozesses über diesen Mann sagt (S. 61 ff. u. a. O.). Danach ist er kein sehr klarer und etwas phantastisch veranlagter Kops gewesen und hat sich mit seinen Hypothesen häufig vom Boden des Tatsächlichen entfernt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.