Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1906)
- Article
- Köln
- Date
- 1906-10-01
- Page
- 608 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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608 Jrn deutschen Reich. Nationalfonds" ans dessen Mitteln Boden für das jüdische Volk in Palästina gekauft werden soll, habe bereits eine Höhe von P/2 Millionen Franken erreicht. Eine definitive Absage wurde in Köln an alle etwaigen Bestrebungen, eine Heimstätte für das jüdische Volk anderswo als in Palästina zu schaffen, erteilt. Die „Kommission zur Erforschung der Ursachen und Wirkungen der Pogrome" wird die Ergebnisse ihrer Arbeit in einem großen Werk, der Oeffentlichkeit oorlegen. < Colmar (Elsaß), 18. September. Das hiesige Ober- Landesgericht hat eine für Juden bedeutsame Entscheidung erlassen. Ein jüdischer Kläger, der einer auf einen Sonnabend anberaumten Verhandlung beigewohnt hatte, berechnete bei der Festsetzung der Kosten und Auslagen auch die für Freitag und Sonntag, mit der Begründung, daß die Religion ihm verbiete, am Sonnabend zu reisen. Das Landgericht hatte ihm aber nur die Auslagen für Sonnabend bewilligt. Gegen die Streichung der übrigen Auslagen erhob er Beschwerde beim Oberlandesgericht in Colmar. Dieses ordnete an, daß ihm die Kosten für Freitag und Sonntag zu erstatten seien, weil dem Kläger als Israeliten das Reisen am Sonnabend wegen einer religiösen Vorschrift jedenfalls nicht zugemutet werden dürfe. F. Z. Langsdorf, 18. September. Der seitherige Bürgermeister Köhler (Landtagsabgeordneter und zweiter Präsident der Kammer) hat bei der hiesigen Bürgermeist erwähl eine schwere Niederlage erlitten. Der Beigeordnete Schiel wurde mit 128 Stimmen zum Bürgermeister gewählt, während Köhler nur 55 Stimmen erhielt. Der Antisemitismus, dessen Haupt er hier war, hat dadurch in Langsdorf einen argen Stoß erhalten. Nur wenige Wähler enthielten sich der Abstimmung. Köhlers origineller Wahlaufruf verfehlte vollständig seine Wirkung; er erregte bei seinen Freunden Kopfschütteln, bei den Gegnern lebhafte Heiterkeit. Die darin enthaltenen Worte Baldur, Hödur und Loki waren an dem Wahltage zu Schlagwörtern feiner Gegner geworden, denn das waren Worte, die die Bauern früher nie gehört hatten. Ein Wahlaufruf von Köhlers Gegnern, unterzeichnet „Loki und Genossen", zeigte einerseits die Erbitterung der Wähler, andererseits aber auch, wie die Bauern auf Köhlers „Götterkampf" mit Ironie einzugehen verstanden. Der Aufruf erwähnt unter anderem, die Steuer sei von 1500 auf 9000 Mk. gestiegen und etwa 30 000 Mk. Gemeindevermögen seien ein-