Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 9 (September 1906)
- Article
- K. L., Frankfurt a. M.
- Date
- 1906-09-01
- Page
- 551 (sequence 2)
- Language
- German
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Vermischtes. 551 die „Frankfurter Zeitung" am 20. August veröffentlicht hat, lautet: „Der Kommerzienrat Z. aus Berlin gab in diesem Restaurant ein Fischgericht mit dem Bemerken zurück, es schmecke ihm nicht, und da er magenkrank sei, wolle er sich nicht der Gefahr ausfetzen, sich den Magen zu verderben. Der Wirt hörte das, fuhr den Gast an und traktierte ihn mit Kraftausdrücken wie „verfluchter Jude!" Als der Gast erregt aufsteht, wird er aufgefordert, sofort das Lokal zu verlassen. Beim Hinausgehen bekommt er noch Liebenswürdigkeiten folgenden Stils zu hören: „Das verdammte Judenpack, das hat man davon, daß man solche Hunde reinläßt." Dabei fuchtelt der Wirt mit einem Stuhl in der Luft herum, wobei eine Scheibe in Trümmer geht. Ein anderer Gast, der sich weigert, zu bezeugen, daß „der Jude" angefangen habe, wird ebenfalls an die Luft befördert. „Der Jude" hat der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet." Die „Frankfurter Zeitung" hat diesen Bericht aber nicht von dem Betroffenen direkt erhalten, sondern der „Freiburger Verkehrs- Zeitung" entlehnt. Ausfallend war dabei, daß ein Freiburger- Blatt zuerst in die Lage gekommen ist, über eine Beleidigung zu berichten, die einem Berliner Kommerzienrat auf der Insel Rügen zugefügt worden ist. Nach unserer Information ist der in dem Restaurant „Imperial" in Binz Beleidigte Herr Kommerzienrat Zeiß, der weder Jude ist, noch von Juden stammt. Das ist der Humor der Sache, deren Ernst aber wahrscheinlich dem Wirt des Restaurants dadurch fühlbar werden wird, daß Juden und nichtantisemitische Christen die Gastfreundschaft dieses zu „Kraftausdrücken" geneigten Herrn nicht mehr in Anspruch nehmen werden. Vermischtes. Adolf Bartels Heinebuch. Es ist eine erfreuliche Tatsache, daß gerade durch die gehässigen antisemitischen Angriffe auf Heinrich Heine angesehene Literatur-Historiker sich zu der Ansicht bekannt haben, daß der Antisemitismus in der Literaturgeschichte nichts zu suchen habe. Begreiflich ist es, daß diese Ansicht dem schreib-