Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 9 (September 1906)
- Article
- O. L., Berlin
- Date
- 1906-09-01
- Page
- 550 (sequence 2)
- Language
- German
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550 Iw deutschen Reich. Zeit bereits mit der jüdischen Statistik beschäftigt und dabei mit offenbarer Befriedigung die Tatsache betont, daß die jüdische Bevölkerung des Deutschen Reiches in den letzten 20 Jahren des vorigen Jahrhunderts nur ein Wachstum von 4,4 Prozent aufwies gegen das 24 Prozent betragende Wachstum der Gesawtbevölkerung. Daß die Geburtsziffer bei den Juden Preußens nur halb so groß ist wie bei den Christen, wird durch die aus die bessere Familienpflege zurückzuführende geringere Kindersterblichkeit einigermaßen ausgeglichen. Die beunruhigende Erscheinung, daß die Zahl der Eheschließungen in dem letzten Jahrzehnt bei den Juden eine wesentlich niedrigere, als bei den Christen war, ist von der „Jüdischen Presse" zweifellos nicht mit Unrecht auf die durch den Antisemitismus herdeigeführte Erschwerung der Erwerbs- Lätigkeit zurückgfführt worden. Ein nicht minder betrübendes Kapitel ist das der „Vermehrung der Kindertagen", die auf die jüdische Statistik sicher nicht ohne wesentlichen Einstuß geblieben sind. Wenn Zahlen „sprechen", so sollte diese Sprache nicht unbeachtet bleiben, sondern belehrend und warnend wirken. An jeden einzelnen Juden treten dabei ernste Mahnungen heran, und sie klingen zumeist dahin aus: „Laßt uns besser werden, gleich wird^s besser sein!" M. P., Stettin. Es ist nichts Neues, daß ein gewisser Johann Herr in der Prinzen-Allee des Ostseebades Saßnitz sein Schaufenster durch ein Plakat mit hetzender Inschrift verunziert: „Israeliten, die das Geschäft betreten, werden wegen Hausfriedenbruchs belangt!!!" Die „Freie Deutsche Presse" hat völlig recht, wenn sie sagt, daß diesem Geschäft nicht nur die Juden von selbst, sondern auch alle Christen fern bleiben werden, „die noch Gefühl für Anstand haben." Daß solcher grober Unfug in Saßnitz geduldet wird, muß dahin führen, den Juden den Aufenthalt in einem Badeort zu verleiden, dessen Verwaltung sich der ihr Zustehenden Mittel nicht bedient, einen Ortseinwohner an einer fortwährenden Beleidigung der jüdischen Badegäste zu verhindern. Es ist kaum zu verstehen, daß die Ortsbehörden ein solches beleidigendes Plakat zulassen, das nicht etwa in dem Geschäft des Antisemiten, sondern außerhalb angebracht und weithin sichtbar ist. K. L., Frankfurt a. M. Ehe wir das Restaurant „Imperial" in Binz auf die Liste der antisemitischen Restaurants stellen konnten, mußten wir einen weiteren Bericht abwarten. Der Bericht, den