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Im deutschen Reich · 1906-09-01 · Heft 9 (September 1906) · p. 548

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 9 (September 1906)
Article
Königsberg i. Pr.
Date
1906-09-01
Page
548 (sequence 2)
Language
German
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548 Iw deutschen Reich. im akademischen Leben Berlins die schlimmsten Verwüstungen anrichtete und zu schweren, tödlich verlaufenen Duellen führte. Speziell die Ahlwardtversammlungen der neunziger Jahre setzten sich zum großen Teil aus Studentenpublikum zusammen. Die großen Januarkommerse, zu denen früher regelmäßig auch der greise Moltke erschien, sind noch heute gewissermaßen die Paradevorstellungen; da exerziert man im Feuer der 1001 Blicke, und am Tag darauf findet man sich mit seinen mehr oder weniger unmaßgeblichen Aeußerungen spaltenlang in den konservativen und „nationalen" Blättern wieder. Man steht schon mit neunzehn bis Zwanzig Jahren in der Oeffentlichkeit; man empfiehlt sich schon setzt den „maßgebenden" Persönlichkeiten. Die Reaktion brachte den Verein völlig ins konservativ - antisemitische Fahrwasser. Aktiv traten nur noch Politiker dieser Couleur hervor, von Stöcker und Liebermann von Sonnenberg bis zu hochfeudalen Militärpolitikern; dagegen wurde z. B. von Gerlach ausgeschlossen, als er sich von Stöcker trennte und auch in der studentischen Ehrengerichtsfrage andere Pfade wandelte, als der Berliner Verein. Die Kelbraer Jubelversammlung erteilte auf Drängen einer alldeutschen Berliner Literatenclique auch Friedrich Naumann den Rat Zum Austritt. Die Vereine deutscher Studenten sind heute wieder, was sie vor fünfundzwanzig Jahren waren: Zucreiber für die rechtsstehenden Parteien." X Cranz, 28. August. Die amtliche „Cranzer Babe- Zeitung" veröffentlicht eine Erklärung der Cranzer Badeverwaltung, in der die in -der „Jüdischen Rundschau" enthaltenen Beschwerden über die Behandlung jüdischer Badegäste als unbegründet bezeichnet werden und gesagt wird: „In keinem einzigen Falle ist es der Badeverwaltung beigekommen, ihren jüdischen Gästen gegenüber den Boden der Toleranz zu verlassen; unwahr ist es auch, daß Beamte der Gemeinde Cranz das Wort „Jude" als Schimpfwort gegenüber Badegästen israelitischen Bekenntnisses in Anwendung bringen. Für die angeblichen Aeußerungen einer einzelnen Zimmervermieterin gegenüber ihren Logiergästen ist die Badeverwaltung natürlich nicht verantwortlich, doch sei ausdrücklich betont, daß den amtlichen Stellen bezüglich eines solchen Vorganges nichts zur Kenntnis gekommen ist. Gänzlich aus der Luft gegriffen ist die Behauptung, daß in dem Zeitungsabonnement eine Aenderung in tendenziöser Absicht erfolgt sei. Wer die aufliegenden

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