Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 9 (September 1906)
- Article
- Bochum
- Date
- 1906-09-01
- Page
- 547 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 547 Weber von Herten und dessen Freunde, die ihnen unbekannte Frau Markus in Recklinghausen vor deren Laden zu necken. Als diese sich ein solches Verhalten verbat und ihre Söhne herbeirief, sprang Weber vor dem Hause herum. Eine große Menge Volks sammelte sich. Es erscholl der Ruf: „Die Juden müssen über den Jordan oder nach Sibirien." Das Schöffengericht Recklinghausen verurteilte Weber wegen groben Unfugs zu 6 Mk. Geldstrafe. Gegen das Urteil legte Weber Berufung ein. Die Strafkammer Bochum bestätigte nicht nur das Urteil, sondern erhöhte das Strafmaß auf 20 Mark." ± Herne, 27. August. Die amtliche „Herner Zeitg." veröffentlicht über die vielbesprochene Angelegenheit des Besuchs der Bergleute aus Courriöres in Herne nachstehende redaktionelle Erklärung: „In der auswärtigen, namentlich belgischen und französischen Presse tauchen Gerüchte auf, die besagen, daß bei dem Besuche der Geretteten in Herne nicht weniger als 8000 Mk. an Eintrittsgeldern vereinnähmt worden seien. Dazu komme dann noch der Erlös aus den Postkarten und Medaillen. Diese beträchtliche Summe sei in die Tasche des „Juden" Weil geflossen. Wir, die wir die Verwaltung der eingegangenen Gelder übernommen haben, halten es für unsere Pflicht, zu erklären, daß insgesamt nur 293 Mk. eingenommen und bei uns abgeliefert worden sind. Diese Summe ist gegen Quittung den Geretteten eingehändigt worden. Herr Weil hat auch nicht einen Pfennig erhalten, es sind ihm vielmehr in der Verfolgung seiner Ideen beträchtliche Unkosten entstanden." □ Königsberg i. Pr., 26. August. Unter der Ueberschrift „Studentische Scherbengerichte" schreibt die „Königsb. HartungscheZtg." über die jüngste Tagung der „Vereine deutscher Studenten" in der Goldenen Aue zu Kelbra: „Genau fünfundzwanzig Jahre waren es her, daß die aus der schwülen Stimmung nach den Attentaten und aus der Atmosphäre der „Berliner Bewegung" an ein paar Universitäten begründeten „nationalen" Studentenvereinigungen sich am Fuße des Kyffhäusers zum Bruderbünde die Hände reichten. Man hielt sie damals für konservativ-antisemitische Konventikel, und mehr waren sie wohl auch nicht." — Feudale Drahtzieher standen von Anfang an hinter den Vereinsgründern. Dazu kam ein forzierter „gesellschaftlicher" und politischer Antisemitismus, der