Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 9 (September 1906)
- Article
- Berlin
- Date
- 1906-09-01
- Page
- 543 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 543 ba sie einen ihnen vor der Hauptwahl von der freisinnigen Volkspartei angebotenen Kompromiß abgelehnt hatten, was durch den erheblichen Rückgang der nationälliberalen Stimmen eine grelle Illustration erfahren hat. Herrn Liebermann von Sonnenberg ist aber die Freude an seinem Sieg im Kreise Rinteln-Hofgeismar durch die konservative Begründung fo vergällt worden, daß er seinen Unmut an den Reformern ausließ, trotzdem diese bei der Stichwahl für seinen Schützling mit eintraten. Dafür hat er in seinem Leiborgan von den Reformern gesagt: „Solche Politiker, die unter dem schönen Namen von „Reformern" bisher nur öde Schlagworte zu Tage förderten, die durch Leute wie Ahlwardt und Pückler den berechtigten Antisemitismus aufs schwerste schädigten . . . unklare Köpfe ... die mit ihrem verworrenen Krakehl . . . lediglich ein trauriges Parteigezänke verewigen möchten." Darauf entgegnete Oswald Zimmermann in der an die Stelle der „Deutschen Wacht" getretenen „Reform": „Und auch hier wieder verläßt Herrn v. Liebermann fein Gedächtnis. Was hat Ahlwardt mit der Reformpartei zu tun? Nicht mehr als mit Herrn v. Liebermann selbst. Ahlwardt war kurze Zeit Hospitant der Deutschsozialen Reformpartei, zur selben Zeit als Herr v. Liebermann einer der beiden Vorsitzenden der Partei war. Und nur in dieser Zeit hat Ahlwardt mit der heutigen Reformpartei einer Organisation angehört. Hat Herr v. Liebermann auch das vergessen? Entsinnt er sich auch nicht mehr, wer den Grafen Pückler ausgegraben hat? Herr v. Liebermann selbstl Müssen wir sein Gedächtnis überall erst auffrischen? Wenn nun die Reformer gleiches mit gleichem vergolten hätten und, freilich mit mehr Recht, die konservativ-deutsch-soziale Kompromißpartei als die Partei Hammerftein-Leuß verschrieen hätten? Wer weiß, ob sich dann nicht doch mancher brave Kompromißmann seitwärts in die Büsche geschlagen hätte. Die Reformer verschmähten solche Kampfmittel und erhalten zum Dank von den Glashäuslern nun Ehrentitel wie „Hausknechte", „Krakehler" usw." — Der Bruderzwist der Antisemiten kommt ihrem Gegner aber nie zu statten; auch bei der Stichwahl im Kreise Rinteln-Hofgeismar hat sich wieder die alte Erfahrung bestätigt, daß die antisemitischen Fraktionen sich weit besser auf ihren Vorteil verstehen, als die liberalen Parteien, die gemeinsamen