Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1906)
- Article
- Der Bericht über die israelitische Erziehungsanstalt zu Ahlem bei Hannover
- Date
- 1906-07-01
- Page
- 489 (sequence 2)
- Language
- German
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Vermischtes. 489 30 400 Mark (gegen 20500 Mark im Jahre 1904) gehoben und für das Jahr 1906 ist eine weitere nicht unbeträchtliche Steigerung bereits zu verzeichnen. Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der in Anbetracht des mit zur Widerlegung antisemitischer Vorurteile dienenden Zwecks der Ahlemer Anstalt dieser seit längerer Zeit alljährlich einen Beitrag von 100 Mk. gewährte, hat diesen Beitrag im Jahre 1906 auf 200 Mk. erhöht. 55Amerieana.“*) Ein letztes Bild. New Jork, Grand Street, Jüdisches Theater! Man gibt vor dicht gedrängtem Publikum, das alle Ränge füllt, in Jüdisch-Deutsch ein Stück, das in Südrußland spielt, „Der Liebe Kraft". Ich freue mich, daß ich den mit hebräischen Typen gedruckten Theaterzettel lesen kann: die erste praktische Anwendung früher erworbener Kenntnisse. Das Stück beginnt; man spielt vorzüglich; der Inhalt ist ernst: schwere sittliche und religiöse Probleme. Und mit welch heiligen Feiertagsmienen lanscht das jüdische Publikum: alte ergraute Gesichter, manch eines mir dem Typ nach vom Brühl in Leipzig bekannt, manch junge Physiognomie, deren Träger schwerlich gleich den Alten Galizien, Rumänien, Kleinrußland, die Ursprungsgebiete des New Iorker Halbasiens, gesehen hat. Die Stimmung wird immer ernster, gespannter; einige junge Leute, die in tragischen Momenten lachen, werden niedergezischt, müssen ihre Plätze verlassen, einer wird angespien. Und was liegt in diesem Beifall nach dem ersten Akte? Nach dem letzten, nach Mitternacht — *) Der Leipziger Historiker Geh.-Rat Professor Dr. Karl Lamprecht hat im Jahre 1904 eine Reise durch Kanada und die Vereinigten Staaten unternommen und die dort empfangenen Eindrücke in einem mit obigem Titel versehenen Buche niedergelegt, das im Verlage von H. Zeyfelder in Freiburg i. B. erschienen ist. In diesem Buche befindet sich ein „Frömmigkeit" überschriebener Abschnitt, dem wir die vorstehenden Sätze entnehmen, nicht als Empfehlung der Jargon-Theallr, sondern der Empfindungstiefe unserer schwergeprüften und so oft bitter verleumdeten Glaubensgenossen aus Osteuropa. Es ehrt sie ungemein, daß ein christlicher Gelehrter von der Bedeutung Lamprechts am Schlüsse des Abschnitts „Frömmigkeit" sich auch noch zu dem Bekenntnis gedrungen fühlt: „Meine Neberzeugung, daß dieses Volk noch zu Großem berufen ist, gründet sich vor allem auf die Tatsache, daß es frommer Empfindung fähig ist.