Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1906)
- Article
- P. M., Breslau
- Date
- 1906-07-01
- Page
- 486 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
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486 Im deutschen Reich. P. M., Breslau. Die „Breslauer MorgenZeirung" hat sich bereits kräftig geäußert, indem sie unter der Ueberschrift „Schäbiger Antisemitismus" wörtlich jene Sätze abdruckte, mit denen der Vertreter der „Dresdner Nachrichten" für die gastfreundliche Ausnahme der deutschen Journalisten in England seinen Dank abstattete: „Es darf nicht verschwiegen werden, daß bei der ganzen Veranstaltung die fremdvölkische Internationale deutscher und englischer Zunge einen hervorragenden, ja überwiegenden Anteil gehabt hat. Es ist nicht unwichtig zu wissen, daß verschiedene Veranstalter privater Darbietungen, wie der bekannte Theatermann Beerbohm Tree, der die Gäste in seinem Theater empfing und bewirtete, oder Lord Vurnham, der als Besitzer des „Daily Telegraph" einen äußerst interessanten Empsangsabend zwischen erlesenen Büfetts und mächtigen Rotationsmaschinen gab, oder Mr. Mosch eles oder selbst der Lord Mayor der City von London Angehörige jener Rasse sind, die Moses dereinst aus Not und Bedrängnis errettete. Die Verbrüderungsfeier so mancher englisch oder deutsch sprechender Rasseangehöriger ist aber selbstverständlich als etwas ganz anderes einzuschätzen, als der Austausch freundschaftlicher Beziehungen von Angehörigen des deutschen und des englischen Volkes. Uebrigens konnte man hier wieder einmal wie so oft im Auslände die so bezeichnende Beobachtung machen, daß Engländer orientalischen Ursprungs viel leichter und geläufiger Deutsch sprachen, als die reinen Engländer. Ein fremdes Idiom fällt eben dem nationalen Menschen unendlich schwerer, als dem international veranlagten, überall sich Zurechtfindenden Kinde Sems des Unsterblichen.— Dazu bemerkt das Breslauer Blatt: „Aber freihalten läßt sich solch edler Gemütsmensch von den Beschimpften! Echt antisemitisch!" G. B., Aachen. Derartige Leistungen sind einfach niedriger zu hängen. Wir geben deshalb den Wortlaut dieser seltsamen Geschäftsanzeige hier wieder: „Zur Aufklärung. Seit längerer Zeit wird böswilliger Weise die falsche Nachricht verbreitet, daß ich mein Geschäft an eine jüdische Firma verkauft habe. Der Zweck dieser — Lüge — ist der, mich geschäftlich zu schädigen. Nur aus diesem Grunde — nämlich den christlichen Charakter meines Geschäftes zu wahren und meine geehrte Kundschaft aufzuklären — sehe ich wich veranlaßt.