Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1906)
- Article
- Die jüdischen Freiwilligen im preußischen Heere während der Befreiungskriege 1813/1814
- Date
- 1906-07-01
- Page
- 423 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316740-2316748-2336996--15351-2337064- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die jüdischen Freiwilligen im preußischen Heere. 423 in den Kriegsmonaten 2.4 Prozent betrug, also ein fünfmal größeres war. Wir müssen aber hierbei in Betracht ziehen, daß die Juden damals durch ihre mehr als tausendjährige Entwöhnung vom Waffendienst, ihre hygienisch verderbliche Wohn- und Beschäftigungsart, sowie durch die Armut ihrer überwiegenden Mehrzahl für das Heer weist untauglich geworden waren — wie das für Westpreußen unwiderleglich festgestellt ist. Ferner waren die Juden der Provinz Posen, damals fast die Hälfte aller preußischen Israeliten, gesetzlich vom Militärdienst ausgeschlossen. Eines Mangels an patriotischer Gesinnung kann man die Juden deshalb nicht bezichtigen. Endlich müssen wir bedenken, daß unter den altgeübten Soldaten von 1813 und den vor diesem Jahre ausgebildeten, entlassenen und wieder eingezogenen Kriegern kein einziger Jude sich befand. Die 731 im preußischen Heere des Jahres 1815 dienenden Juden sind einzig den Jahrgängen 1813, 1814 und 1815 entnommen. Bringt man diese Tatsache in Anrechnung, so wird man die Zahl der Juden, die 1815 der Militärpflicht genügt haben, nicht als zu gering bezeichnen können. Es ist sogar rühmlich für sie, daß sich unter ihnen, trotz der soeben angeführten Umstände und trotz der Verschlechterung ihrer bürgerlichen Stellung insolge des Befreiungskrieges, noch Hunderte von Kriegsfreiwilligen gesunden haben. Von diesen waren nachweisbar schon 1813/14 Kriegsfreiwillige gewesen: 34, also beinahe ein Drittel der namentlich Bekannten.' Auch dieses Mal fehlte es nicht an Beweisen opferfreudigster Vaterlandsliebe von seiten ganzer israelitischer Gemeinden. Jn Jnowrazlaw traten sieben jüdische Freiwillige ein; zu deren Ausrüstung zeichneten sofort 36 Gemeindemitglieder ausreichende Beträge, so daß jene am 29. Juni unter Begleitung zweier Leutnants nach Bromberg abziehen konnten. Die dortige Regierungs-Kommission schrieb dem Gemeinde-Vorstand von Jnowrazlaw am 1. Juli 1815, daß sie „dies Beispiel von tätiger Vaterlandsliebe zur lebhaften Nacheiferung allgemein bekannt machen" werdet) Und dabei waren die Juden von Jnowrazlaw gesetzlich vom Heere ausgeschlossen! Nach unserer Liste dienten jüdische Kriegsfreiwillige 1815 in folgenden Truppenteilen: *) Allg. Zeit. d. Judentums, 1892, S. 284 ff.