Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1906)
- Article
- B. O., Leipzig
- Date
- 1906-06-01
- Page
- 394 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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394 Im deutschen Reich. angelaugt, so dürfte eine neue Gassenordnung bald näheres darüber bringen." -- Es ist unschwer Vorauszusehen, daß in dieser Ordnung auch den nichtjüdischen Ausrufern eine Beschränkung aufgelegt wird, die den „mehreren Altenburger Bürgern" erst recht unwillkommen sein dürfte. Der Zwischenfall erinnert aber an eine Entscheidung des Dichterfürsten Goethe, bei dem vor etwa hundert Jahren eine von dem Dresdener Kaufmann Mareus Landau geführte Deputation jüdischer Marktfieranten vorsprach, um sich über den Magistrat von Weimar zu beschweren, der ihnen infolge eines Ansuchens christlicher Konkurrenten die bisher innegehabten Plätze versagt hatte. Der menschenfreundliche Minister erklärte, die auch auf Grund einer älteren Verfügung getroffene Anordnung der Stadtverwaltung nicht ändern zu können, erfreute aber die jüdische Abordnung durch die Zusage, ihnen dafür Plätze zu verschaffen, die weit günstiger seien, als die bisher innegehabten und ihnen über die, die ihnen diese mißgönnt hätten, entschiedene Vorteile bieten würden. Für Marcus Landau bot bis ans Lebensende diese Audienz bei Goethe eine der beglückendsten Erinnerungen. SLcherfcha«. Judentaufen im neunzehnten Jahrhundert. Mit besonderer Berücksichtigung Preußens dargestellt von Dr. N. Samter. Verlag von M. Poppelauer, Berlin 1906. Preis broschiert 2,50 Mk. Der Abfall vom Judentume aus Gründen, welche sich nicht auf religiöse Gewissenskämpfe stützen, gehört nicht allein zu den traurigsten, sondern auch zu den psychologisch bemerkenswertesten Problemen, welche sich bei der Betrachtung im Zusammenleben der jüdischen Gemeinschaft ergeben. Nicht zu allen Zeiten ist der Abfall aus denselben Ursachen zu erklären. Das Eindringen in die Motivenreihe, welche in den jeweiligen Zeiten maßgebend war, ist nicht nur zur Erkenntnis notwendig, sondern auch interessant. Neben rein praktischen Interessen muß auch vom völkerpsychologischen Standpunkt aus darnach gestrebt werden, zu einer Erkenntnis darüber zu gelangen, wie alle Arten äußeren Zwangs, von der rohen Gewalt