Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1906)
- Article
- S. G., Kassel
- Date
- 1906-06-01
- Page
- 391 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316740-2316747--15297-2336953- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Briefkasten der Redaktion. 391 gegenüber der Rolle verschließt", die hochadlige Herren bei der Vorbereitung des Umsturzes gespielt haben und noch spielen. A. 2., Posen. Es ist von zionistischer Seite der Versuch gemacht worden, einen sachlichen Zwiespalt zwischen der Centralleitung und der Leitung unserer Posener Ortsgruppe festzustellen. Ein solcher besteht nicht. Die Verdienste der Herren, welche in Posen die Geschäfte des Central-Vereins führen, sind zu groß und zu oft anerkannt, als daß sie durch derartige Veröffentlichungen in Frage gestellt werden können. M. C., Posen. Den Bericht des „General-Anzeigers" über die Posener Volksschulgesetz-Versammlung kennen wir. Sie überschätzen die Bedeutung dieses Blattes und die Zahl seiner Abonnenten. R. St., Bromberg. Daß die Sozialreformen nicht der Ausfluß arischer Kultur, sondern alttestamentlicher Gesinnung sind, müssen selbst Antisemiten zugeben, wenn sie bibelfest sind. Ein eifriger Mitarbeiter der Krösellschen Zeitschrift „Der Mittelstand", Pfarrer Bethke-Gr.-Mellen, der wiederholt sich judenfeindlich geäußert hat, konnte nicht umhin, in einem Artikel über „Recht und Pflicht der evangelischen Kirche zur Mitarbeit an der Lösung der sozialen Frage der Gegenwart" für den semitischen Ursprung der Sozialreform Zeugnis abzulegen. Er schrieb: „Sehen wir zuerst das Alte Testament an. Da finden wir eine soziale Gesetzgebung ohnegleichen, die den sozialen Gefahren Vorbeugen soll. Ein jeder ist für das Durchkommen und die Befriedigung seiner Lebensbedürfnisse selbst verantwortlich; er soll das, was er gebraucht, durch eigene Arbeit verdienen. Also das Arbeitsgebot ist jedem Israeliten gegeben. Und erst durch die Arbeit wird ja auch das wirtschaftliche Leben auf eine religiös-sittliche Grundlage gestellt. Nicht der Egoismus soll die Triebfeder des Handelns sein, sondernder Gehorsam gegen Gottes Gebot, und das Ziel aller Mühe und Arbeit soll nicht der Reichtum, sondern die Ehre Gottes sein. Es tritt uns die Idee der Gleichheit aller Volksgenossen entgegen, und der Einzelne als Glied des Ganzen hat dafür zu sorgen, daß die Gemeinschaft des Volkes durch keine soziale Kluft gestört werde. Um dies hohe Ziel zu erreichen, haben wir im Alten Testamente eine ausgeprägte Agrargesetzgebung. Das Land ist Gottes Eigentum, er der eigentliche Besitzer, das Volk aber ist nur Verwalter oder Nutznießer des Grundes und