Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1906)
- Article
- S. H., Nordhausen
- Date
- 1906-06-01
- Page
- 390 (sequence 2)
- Language
- German
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390 Im deutschen Reich. agrarischen Blättern, aber kaum jemals in nationalliberalen Blättern geschehen ist. Unseres Wissens ist das Blatt von der jüdischen Bankfirma Apel in Halle gegründet worden, deren jetziger Inhaber noch heute an diesem Zeitungsunternehmen beteiligt, ist; der Verleger Herr Paalzow, ein Prokurist der genannten Firma, wird als Vertreter strenggläubiger Juden unmöglich darüber erfreut sein, in seinem Organ die Verballhornisierung eines aus dem Zusammenhang gerissenen harmlosen Mommsenschen Ausspruches zu finden, der in dieser Lesart eine der gröbsten Beschimpfungen des Judentums darstellt. Daß aber solche Entgleisungen nanonalliberaler Redakteure außerdem geeignet sind, die nationalliberale Sache nicht nur in den Augen ehrliebender Juden, sondern auch in denen vorurteilsfreier Christen vollständig zu diskreditieren, müßte eigentlich auch dem dortigen Vorstand der nationalliberalen Partei einleuchten. — Uebrigens haben die Besitzer nachträglich das Nötige veranlaßt, aber das macht das Geschriebene nicht ungeschrieben! S. Kassel. Die Briefkasten-Notiz in der „Staatsbürger Zeitung" vom 17. Mai hat uns nicht überrascht. Danach hat sich Herr Rittergutsbesitzer F. v. Bodelschwingh in Schwarzenhasel bei Rotenburg a. d. Fulda das Vergnügen geleistet, dem Antisemitenblatt einen Brief zu schreiben, in dem er, anknüpfend an die Ausführungen des Ministers des Innern bei der Ausweisungs-Interpellation, nachstehenden Wunsch äußerte: „Möchte der Tag bald kommen, an dem ein preußischer Minister auch jeden deutschen Mann zu den Blinden zählt, der die Augen verschließt gegenüber der Rolle, welche die Juden bei der Vorbereitung der deutschen Revolution spielen. Dann werden wir in der Bekämpfung des Umsturzes einen guten Schritt vorwärts getan haben". — Herr von Bodelschwingh verkennt nicht nur die deutschen Juden, sondern auch seine eigenen Standesgenossen. Die französischen Juden waren es nicht, die die französische Revolution angezettelt haben, sondern unzufriedene Edelleute waren es. Die hochadligen Quitzows, die dem Markgrafen die Worte an die Tür schrieben „Jochimke, hüte Di", waren keine Juden, so wenig wie Graf Pückler ein Jude ist, der die preußische Rechtspflege verhöhnt und den Hohenzollern Fehde ansagt, weil sein Landesherr einige zum Christentum übergetretene Juden in den Adelstand erhoben hat. Man kann ruhig „jeden deutschen Mann zu den Blinden zählen, der die Augen