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Im deutschen Reich · 1906-06-01 · Heft 6 (Juni 1906) · p. 389

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 6 (Juni 1906)
Article
D. C., Berlin
Date
1906-06-01
Page
389 (sequence 2)
Language
German
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Brieflasten der Redaktion. 389 „antisemitische Persiflage" ernsthaft als einen Ausfluß jüdischen Uebermuts zu betrachten, hat uns doch überrascht. Wie gering muß die jetzige Redaktion des Stöcker-Organs die Intelligenz ihrer Leser veranschlagen, wenn sie sich unterfängt, es diesen glaubhaft erscheinen zu lassen, daß ein „Dr. Moritz Kohn" solchen Unsinn veröffentlichen könnte, und daß er damit „nur täppisch im Eifer kundgebe, was tausend Juden denken"! Solcher Ueberhebung ist wohl ein Antisemit, aber niemals ein Jude fähig; fände sich-wirklich ein ähnlicher Schwachkopf in unsern Reihen, so würde er doch nicht so borniert sein, es „mit frechem Triumph" auszuposaunen und damit Wasser auf die Mühlen der Judenfeinde zu liefern. Die „Staatsbürger-Zeitung" trifft'Zweifellos das Richtige, wenn sie bemerkt: „Man könnte wirklich auf den Gedanken kommen, daß ein Antisemit diese Zeilen geschrieben". Der Gedanke lag sicher nahe genug! M. 3-, Frankfurt a. O. Der Verfasser der in Prenzlau erschienenen Schrift „Das Evangelium der Rasse", Professor Dr. L> Kuhlenbeck, steht unseres Erachtens auf einem durch Chauvinismus und Agrariertum getrübten wissenschaftlichen Standpunkte. Er sieht in der Reinheit der Rasse das einzige Heil, kennt den Wert der Kreuzung nicht oder verkennt ihn nach bekannter „alldeutscher" Art. Als antisemitisch kann man die Schrift nicht eigentlich betrachten, da der Verfasser von der semitischen Rasse immer nur in Verbindung mit andern Rassen spricht und diese sämtlich in Gegensatz zur germanischen bringt. Seine Annahme, daß eine reine Kultur der germanischen Rasse noch möglich sei, ist offenbar ein Einfluß „alldeutscher" Verblendung und bringt ihn außerdem selbst in die Reihe der von ihm angegriffenen Theoretiker. S. H., Nordhauseu. Es war uns nicht unbekannt, daß die „Nordhäuser Allgemeine Zeitung", die als „Liberales Organ auf nationaler Grundlage" die ursprüngliche „liberale Tendenz gemäßigter Richtung" nach und nach so gemäßigt hatte, daß mehr und mehr jene „nationale" Grundlage durchschimmerte, die für agrarische und antisemitische Bestrebungen weit günstiger ist als für liberale. Unverhüllter ist aber der Antisemitismus der Schriftleitung bisher noch nie zutage getreten, als in dem am 29. Mai veröffentlichten Leitartikel „Zum neuen Schulgesetz", dessen Spitze sich so scharf gegen das Judentum richtet, wie dies bisher wohl in stockkonservativen und

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