Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1906)
- Article
- Aachen
- Date
- 1906-06-01
- Page
- 384 (sequence 2)
- Language
- German
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384 Im deutschen Reich. Ideen hätten sich Zwar vor einem halben Jahrhundert nominell verwirklicht, aber wie weit wir Juden heute noch von der allgemeinen Gleichberechtigung entfernt seien, beweise der Entwurf des Volksschulgesetzes. Der angesetzte Vortragsabend sei nun dazu bestimmt, zu zeigen, welche Zurücksetzung in diesem Entwurf für uns liege; deshalb möge der Abend den Erfolg haben, im Sinne Gabriel Rießers stets zu streben. Hierauf hielt Herr Hauptlehrer Dublon seinen Vortrag über obiges Thema. An der Hand statistischer Zahlen wies er nach, wie viel jüdische Volksschüler wir hätten und gab schließlich einen Ueberblick über die Härten des neuen Entwurfes. Lebhafter Beifall lohnte diese Ausführungen. Hernach erhielt Herr- Wallach das Wort. Er bot zunächst eine Definition der schulpolitischen Schlagworte „konfessionell" und „paritätisch" und zeigte dann an der Hand der Geschichte den Entwickelungsprozeß, den die Parität der verschiedenen Religionsgemeinschaften seit der Reformationszeit bis aus die Gegenwart durchgemacht habe. Er wies in seinem Vortrag auf den sreidenkenden Kultusminister I)r. Falk hin und seine Verdienste um die paritätischen Volksschulen usw. Und diesem Ideale der paritätischen Einheitsschule, wie es in den Zukunftsträumen des preußisch-deutschen Lehrerstandes lebe, gelte es näher und näher zu kommen. Dieses Ideal werde über die kirchlich-konfessionelle Weltauffassung schließlich triumphieren! — Laute Beifallskundgebungen lohnten auch diesen Redner. Zum Schluß bemerkte der Vorsitzende, daß vielleicht alle das Ideal der Einheitsschulen besäßen; wenn aber schon einmal die Schulen konfessionell seien sollten, dann müßten auch die Juden mit aller Bestimmtheit verlangen, daß ihnen für ihre Lehrer und Schulen dieselben Rechte Zugestanden würden, wie den anderen Konfessionen. cf Dresden, 3. Juni. Die Redaktion der antisemitischen „Deutschen Wacht" erklärt, daß die mehrfach verbreitete Nachricht von der Einstellung ihres Erscheinens der Wahrheit nicht entspreche. Die Meldung, daß gegen die „Deutsche Wacht" das Konkursverfahren eröffnet ist, wird nicht bestritten. Es scheint aber fast, als ob sich in der Tat jemand gefunden habe, der das kostspielige Geschäft der Herausgabe des Dresdener Antisemitenblattes weiter betreiben will. Nürnberg, 1. Juni. Als Prinz Ludwig von Bayern am 12. v. M. zur Eröffnung der Bayerischen Landesausstellung