Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- Stuttgart [Nachricht]
- Date
- 1906-05-01
- Page
- 334 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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334 Im deutschen Reich. Stuttgart, 1. Mai. Im 77. Lebensjahre ist hier am 13. v. Mts. ein hochgeschätztes Central-Vereins-Mitglied, Herr Rechtsanwalt Max Kaulla, der erste Vorsteher der jüdischen Gemeinde, des Literaturvereins und vieler wohltätiger Institute, verstorben. X Schwerin i. M., 1. Mai. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin hat unserm allverehrten Landesrabbiner Herrn Dr. Fabian Feilchenfeld anläßlich des 50jährigen Doktor-Jubiläums die Große Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen. — Wien, 3. Mai. Die „Wiener Allg. Ztg." schreibt über eine von uns schon vor längerer Zeit erwähnte Tatsache: Kitzbühel liegt im nördlichen Teile von Tirol. So steht es auf der ersten Seite eines kleinen Büchels zu lesen, das uns ein Freund unseres Blattes übersendet. Das Büchel ist mit Bildern des Ortes geschmückt und hat den Zweck, für das Städtchen als Sommerfrische Reklame zu wachen. Daß Kitzbühel nirgends sonst liegen kann, als irgendwo in den Tiroler Bergen, richtiger gesagt in den österreichischen Bergen überhaupt, geht aus dem Vermerk hervor, der auf der kleinen Reklameschrift mit Stampigliendruck prangt. Er lautet: „Anfragen von Juden haben unberücksichtigt zu bleiben/' Die Generalversammlung, welche diesen Beschluß faßte, ist die des Fremdenverkehrsvereines Kitzbühel. Seine Mitglieder sind ohne Zweifel gute, biedere Aelpler, durch die vielen umliegenden Berge etwas in ihren Ideen beengt und infolgedessen stramm antisemitisch. Das ist ihr gutes Recht und die Juden müssen sich schon dazu bequemen, irgend eine der vielen anderen ebenso schönen Sommerfrischen aufzusuchen, in denen es noch keine Fremdenverkehrsvereine gibt. Doch im Vertrauen gesagt: Wenn einer von der verschütten Nation gleichwohl Lust hätte, gerade nach Kitzbühel zu gehen, so braucht er sich durch den Beschluß des Vereines nicht abschrecken zu lassen und wird mit Leichtigkeit Obdach finden. Denn nur als Korporation sind die Kitzbüheler antisemitisch, einzeln nehmen sie für ihre Wohnungen mit großem Vergnügen auch jüdisches Geld, wenn es nur recht viel ist. So haben sie den Vorteil, den Antisemiten wohl zu gefallen und dennoch nicht die Möglichkeit zu verlieren, daß etliche Juden, die speziell auf Kitzbühel versessen sind, in ihrem Orte ihr Sommerquartier nehmen. Ein