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Im deutschen Reich · 1906-05-01 · Heft 5 (Mai 1906) · p. 333

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 5 (Mai 1906)
Article
Dresden
Date
1906-05-01
Page
333 (sequence 1)
Language
German
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Korrespondenzen. 333 V.Z. Dresden, 9. Mai. Der Verlag der hier erscheinenden „Deutschen Wacht", des Parteiorgans der sächsischen Antisemiten, hat die Eröffnung des Konkurses beantragt. □ München, 5. Mai. Das Gemeindekollegium beschloß gestern, über den Antrag des antisemitischen Gemeindebevollmächtigten Wagner, bei der Regierung und Polizei-Direktion Maßnahmen zur Verhinderung der weiteren Einwanderung fremder, insbesondere russischer, Juden Zu erwirken, mit allem gegen neun (antisemitische und ultramontane) Stimmen Zur Tagesordnung überzugehen. Damit fiel auch ein im Zusammenhang mit dem Wagnerschen Antrag von den ultramontanen Gemeindebevollmächtigten Rigaauer gestellter Antrag, die Einwanderung subsistenzloser Ausländer, die sich durch Hausieren ernähren, überhaupt zu verhindern. — Herrn Staatsanwalt Dr. Silberschmidt, dem einzigen Juden in Deutschland, der dieses Amt bekleidet, ist unter Belastung in seiner Stellung, Rang und Gehalt eines Oberlandesgerichtsrats verliehen worden. X Fürth i. B., 1. Mai. In den letzten Märztagen fand hier unter dem Vorsitze des Herrn Dr. Blöde aus Nürnberg eine Versammlung zum Zweck der Gründung eines jüdischen Turnvereins statt. Fast alle Redner sprachen sich energisch gegen eine solche Gründung aus, die nur dazu führen könne, den in Fürth und Nürnberg besteh nden konfessionellen Frieden zu stören und den Antisemitismus zu fördern. Der christliche Vorsitzende des Bayerischen Turnbundes, Turninspektor Häublein- Nürnberg, bat von der Gründung abzusehen und erklärte, daß in ganz Deutschland die Turnerschaft die Juden, die besonders in Bayern in hervorragender Weise in der Turnerschaft tätig seien, gern als Mitglieder sehe. In demselben Sinne sprach sich Herr Direktor Dr. Gombrich aus, der bemerkte, er stehe seit 40 Jahren int deutschen Turnwesen und sei stolz darauf, ein deutscher Turner zu sein. Herr Rechtsanwalt Dr. Dormitzerll aus Nürnberg, Herr Rechtsanwalt Dr. Stein-Fürth u. a. m. bekämpften ebenfalls den Plan der Begründung eines jüdischen Turnvereins, für den nur wenige Redner sich erwärmten. Der Vorsitzende trat zwar energisch in glanzender Rede dafür ein, konnte aber die Mehrheit der Versammlung dadurch nicht gewinnen, so daß das Präsidium auf eine Resolution verzichtete und kurz vor Mitternacht den Saal verließ.

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