Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- M. S., Breslau
- Date
- 1906-04-01
- Page
- 272 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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272 Im deutschen Reich. „In einer ProZeßsache hat ein Gendarm eidlich ausgesagt, es sei ihm aus seiner amtlichen Tätigkeit bekannt, daß die polnischen Juden nur vor dem Rabbiner die Wahrheit sagen, im Gerichtssaale aber vor einem Meineide nicht zurückschrecken." Sie bezeichnen diese Aussage als lächerlich, wir aberfinden, eine solche Aussage eines Polizisten empörend; denn wir haben vor der Gewissenhaftigkeit unserer polnischen Glaubensgenossen in Eidessachen dieselbe Achtung wie vor den Amtseid eines Gendarmen, der ohne die Spur eines Beweises eine Gesamtheit beschimpft. Der Name dieses Mannes müßte der Oeffentlichkeit übergeben werden. W. ©♦, Liegnitz. Wir sind Ihnen für die Uebersendung des Anzeigen-Umschlags Zum Bunzlauer „Wanderer im Riesengebirge" sehr dankbar. Da der Besitzer des Landhauses „Marie Elisabeth" in Schreiberhau i. Riesenge.b., Herr von Skal, seine Pension als eine „Christliche Pension" ankündigt, beabsichtigt er offenbar, ohne gerade seinen Antisemitismus unverhüllt Zu zeigen, doch verblümt anzudeuten, daß er keine jüdischen Gäste aufzunehmen wünscht. Es genügt wohl, hierdurch unsere Glaubensgenossen Zu unterrichten, die dadurch sich.r veranlaßt werden, auf eme Pension bei Herrn von Skal ohne Kummer Zu verzichten. M. K. Hamburg. Für die Art der antisemitischen Berichterstattung ist die von dem dortigen Antisemiten-Organ „Deutsches Blatt" alias „Deutsch-Soziale Blätter" am 20. Januar d. Js. gebrachte schaurige Geschichte „Theateragent und Putzmacherin" charakteristisch. Es handelte sich dabei um den Gerichtsverhandlungsbericht eines Leipziger Blattes, wonach der Theateragent Hm., der gleichZeitig ein Putzaeschüst besaß, eine seiner Angestellten, die seine Liebesanträge standhaft Zurückgewiesen hatte, fälschlich des Diebstahls und der Unterschlagung beschuldigte. Daran knüpfte nun das „Deutsche Blatt" die Bemerkung, daß das Leipziger Blatt den Theateragenten nur deshalb nicht genauer bezeichnete, weil es sich „um einen Sohn Israels" gehandelt habe. „Der Hebräer betreibt mit Vorliebe Geschäfte, wo er Gelegenheit hat, mit Damen umzugehen usw." Den Schluß der antisemitischen Philippika bildete folgende Mahnung: „Soll wieder Zucht und Ordnung in unserem Volke aufkommen, so wird man eines Tages ein Gesetz erlassen müssen, das dem