Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- Straßburg i. E.
- Date
- 1906-04-01
- Page
- 269 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316740-2316745--15055-2336656- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Korrespondenzen. 269 geordnete Emmel die Frage, ob die hiesige Universität noch auf ihrer alten Höhe stehe. Er erklärte dabei, die folgende Vorfrage an die Regierung stellen zu müssen: „Wird hier an der Universität Antisemitismus getrieben? Kann ein israelitischer Dozent hier nicht eher ordentlicher Professor werden, bis er Zum Christentum übergetreten ist? Der Kuratorial-Referent, Ministerialrat Stadler, antwortete: „Es sind verschiedene israelitische Professoren an der Universität; also ist die Annahme des Herrn Emmel wohl nicht richtig. Jedenfalls hat die Regierung nichts damit zu tun. Die Fakultäten schlagen die Professoren vor. Der Abg. Emmel entgegnete, vielleicht treibe die Regierung keinen Antisemitismus, wohl aber scheine er von den Professoren getrieben Zu werden. Wie verlaute, sei Professor Barth in Berlin zum Nachfolger Theodor Nöldekes in Aussicht genommen, aber, weil israelitisch, nicht akzeptiert worden. Der Ministerialrat Stadler erwiderte, der genannte Professor sei von der Universität überhaupt nicht vorgeschlagen worden, also habe für die Regierung auch kein Anlaß Vorgelegen, ihn nicht Zu genehmigen. Was die Behauptung bezüglich des Uebertritts von Professoren zum Christentum betresse, so. hätten einzelne Professoren ihre Kinder taufen lassen, indessen stehe die Regierung auch diesen Vorgängen durchaus fern. < München, 13. April. Unter der Ueberschrist „Eine antisemitische Heldentat" schreibt die „Münchener Post": ,,Daß ein Antisemit, wie der Gemeindebevollmächtigte Wagner, die Verhinderung oder Einschränkung der Judeneinwanderung beantragt, ist für das G meindekollegium nicht neu-. Bereits am 7. September 1901 stellte der frühere Gemeindebevollmächtigte Herr mann einen Antrag aus Einschränkung der Judeneinwanderung. Der Antrag wurde damals gegen die Stimmen des Zentrums abgelehnt, aber auf Antrag des" liberalen G.-B. Schön eine Verschärfung des Meldewesens beschlossen. Mit Recht äußerte Raith auch gegen diese Verschärfung Bedenken, da unter dieser nicht lediglich die Ausländer, sondern auch die politischen Flüchtlinge zu leiden hätten. Man gibt sich, ries damals Raith, an gewissen Stellen nur zu gerne dazu her, für Länder mit barbarischen Gesetzen Schergendienste zu leisten. Diese Worte riesen beim Zentrum Widerspruch hervor; man verwahrte sich dagegen, daß man gegen politische Flüchtlinge ein Spitzelrum großziehen wolle. Das war im Jahre 1901.