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Im deutschen Reich · 1906-04-01 · Heft 4 (April 1906) · p. 264

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 4 (April 1906)
Article
Hannover
Date
1906-04-01
Page
264 (sequence 2)
Language
German
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264 Im deutschen Reich Städten mit einer Versammlung gezögert habe, weil ein ad hoc gebildetes Komitee und der Rickert-Verein, wo es not Lat, kräftig eingegriffen habe, daß aber eine Mitwirkung der Hannoveraner Glaubensgenossen an dem ganz Deutschland umfassenden Central- Verein nicht länger Zu entbehren sei. Herr Sanitätsrat Dr. Wiesenthal-Berlin hielt alsdann einen Vortrag über „Die gemeinsamen Pflichten im Kampfe gegen den Antisemitismus". Er zeigte, wie notwendig es war, daß die in ihrer staatsbürgerlichen Stellung und im gesellschaftlichen Leben bedrohten Juden in Deutschland sich zur Wahrung ihrer Rechte und zum Kampfe gegen Unduldsamkeit, zu energischer Gegenwehr zusammenschlossen. Ein unverkennbarer Umschwung habe sich seitdem vollzogen. Das gesunkene Selbstbewußtsein sei Zurückgekehrt; man habe erkannt, daß, indem wir für die uns durch Gesetz und Verfassung gewährleistete Gleichberechtigung eintreten, wir nicht nur für Ehre und Freiheit der jüdischen Bürger in Deutschland, sondern gleichzeitig für die heiligsten Güter des Staates kämpfen. Den Antisemiten, die sich als Erbpächter des wahren Patriotismus und Deutschtums allüberall gebärden, müsse die heuchlerische Maske von dem Antlitz gerissen werden. Den Behörden aber müsse so lange die Pflicht ins Gedächtnis gerufen werden, bis sie sich bewußt werden, daß es nicht länger angehe, einer großen Klasse von Bürgern ihnen zustehende Rechte vorzuenthalten, trotzdem diese Staatsbürger ihre Pflichten in vollem Maße erfüllen. Eine Staatsregierung, die einen Puttkamer nebst seiner Kousine, einen Prinzen Arenberg, einen Leih, einen Dr. Peters trotz gröbster Verfehlungen unter den Eingeborenen Afrikas Zu schützen vermöge, dürfe nicht durch den Mund der Minister erklären, daß man mit Rücksicht auf die nun einmal bestehende Stimmung der Bevölkerung jüdische Bewerber nicht in höhere Beamtenstellungen aufrücken lassen könne, da man ihnen nicht die erforderliche Autorität unter ihren Mitbürgern sichern könne. Der Vortragende zeigte ausführlich, was der Central-Verein zur Verfolgung seiner Ziele getan und was er erreicht habe, und beschloß seine Ausführungen mit einem warmen Appell an die aus Hannover und Hildesheim und andern Städten herbeigeeilten Glaubensgenossen, auch ihrerseits in dem Kampfe für Wahrheit und Ehre gegen Lug und Finsternis im Sinne des Central-Vereins zu wirken. Die von den Herren Dr. Horwitz und Dr. Wiesenthal gesprochenen

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