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Im deutschen Reich · 1906-04-01 · Heft 4 (April 1906) · p. 259

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 4 (April 1906)
Article
Breslau
Date
1906-04-01
Page
259 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 259 Rechtsanwalt Carl Jo öl einen formell wie inhaltlich gleich vollendeten Vortrag über Gabriel Rießers Leben und Wirken. Am ausführlichsten verbreitete sich der . Redner über die Kämpfe Rießers für die staatsrechtliche und bürgerliche Gleichberechtigung der Juden in den deutschen Ländern. Reicher Beifall lohnte den Redner für seine interessanten Ausführungen. Im Anschlüsse an diesen Vorrrag betonte der Vertreter des „Vereins zur Förderung der Interessen der Sgnagogen-Gemcinde," Herr Rechtsanwalt Hirschberg, in kurzen Zügen die Bedeutung Rießers für diejenigen besonderen Zwecke, deren Erfüllung die Aufgabe des Vereins bildet. Mit einem warmherzigen Appell an die Zuhörer, im Geiste Rießers zu wirken, schloß Herr Landgerichtsrat W oll st ein, der Vorsitzende des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur, die Reihe der Redner. X BeuLhen O.-Schl., 1. April. Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hielt am 22. März er. hierorts im großen Saale des Konzerthauses unter Vorsitz des Herrn Justizrat Kaiser eine sehr gut besuchte Versammlung ab, in der Herr Do. weä. Josef Lewp aus Berlin, Mitglied des Vorstands des Vereins, über „Judentum und Antisemitismus" sprach. Der Redner knüpfte an den bevorstehenden hundertsten Geburtstag des unvergeßlichen Vorkämpfers für die Emanzipation der Juden in Deutschland und großen Patrioten Gabriel Rießer an, dem selbst ein Treitschke seine Anerkennung nicht versagen konnte. In der Verbindung von heißester Vaterlandsliebe und tiefster Glm benstreue stelle er einen vorbildlichen deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens dar. Die von ihm erstrebte Emanzipation der Juden ist Gesetz geworden, aber leider starrer Buchstabe geblieben. Bon einer rückhaltlosen Verwirklichung der Gleichberechtigung der Juden mit den Staatsbürgern der anderen Bekenntnisse sind wir noch weit entfernt. Ungescheut arbeitet man im öffentlichen wie im privaten Leben an der Zurücksetzung der Juden. Der Redner erörterte eingehend die Praxis der einzelnen Verwaltungen den Juden gegenüber, insbesondere der Justizverwaltung, die das Recht gleichmäßig zu wahren berufen ist und bei der Verteilung der Aemter doch so sonderbare Unterschiede kannte, wenn es sich um jüdische Bewerber handelte. Abgesehen von der Militärverwaltung, die sie von der Osfiüerfarrtere überhaupt ausschließt, gewähren ihnen die anderen Verwaltungszweige nur untergeordnete Stellungen. Die Erlangung

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