Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- Berlin
- Date
- 1906-03-01
- Page
- 194 (sequence 6)
- Language
- German
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] 94 Im deutschen Reich. scheu" tritt jetzt wieder in die Oeffentlichkeir, und Zwar beabsichtigt er, nicht mehr und nicht weniger als eine große neue Partei zu gründen, die alle übrigen antisemitischen Gruppen verdrängen soll. Im Agitationsverband für nationale Politik „Allzeit voran" entwickelte Ahlwardt im „Hackerbrau" sein neues Programm. Hervorzuheben ist daraus vor allem, daß Ahlwardt jetzt den Kampf gegen die Juden aufgeben will und dafür den Kampf gegen die Jesuiten predigt. Im Gegensatz zu seiner früheren Lehre verkündet er, daß nicht das Judengeld den Mittelstand unterdrücke, sondern die Macht der Jesuiten. Die Berliner Warenhäuser und Großbanken, aber auch die großen christlichen Spezialgeschäfte wären von Jesuiten geleitet, die jüdischen Inhaber seien nur vorgeschobene Personen. Sogar die nationalen Grubenbesitzer im Ruhrrevier sind nach Ahlwardt nur Angestellte der Jesuiten. Die drei Hauptforderungen des Ahlwardtschen Programms sind: 1. Rechtsfähigkeit aller Vereine. 2. Umwandlung der Reichsbank in ein nationales Kredit-Institut. 8. Entfernung des Religionsunterrichts aus den Schulen. Atz Breslau, 2. MärZ. Der Dichter des Referendar- Kommersliedes „Die koschere Justiz", Landgerichtsrat Hosfmann har gegen das Urteil des DisZiplinar-Gerichtshofes, das aus einen Verweis lautet, Berufung eingelegt. Das „Jüdische Volksblatt" berichtet: „Die „Schles. Morgenztg." erhofft von der Berufung einen andern Ausgang. Der Ton, welchen sie dabei gegen den Herrn JustiZrat Dr. Mamroth anschlägr, indem sie von dem jüdischen Denunzianten spricht, ist in den Spalten einer Zeitung, welche andauernd gegen Juden denunziatorisch vorgehr, mehr als befremdlich. Herr Justizrat Mamroth hat weiter nichts getan, als was er seiner Ehre schuldig war. Das Gedicht ist ihm in verschlossenem Briese zugesandt worden. Daraus hat er die ihn und seine Kollegen beleidigende Drucksache dem Minister zur weiteren Veranlassung überreicht." I Liegnih, 1. März. Die städtischen Körperschaften haben am 18. v. Mts. dem Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Cohn, der 30 Jahre lang Stadtverordneter ist, und kürzlich auch zum Provinziallandtags-Adgeordneten gewählt wurde, einstimmig das Ehrenbürgerrecht verliehen. Herr Heinrich Cohn hat sich als Vorsteher der hiesigen Synagogen - Gemeinde und als Vertrauensmann des Central-Bereins deutscher Staats-